Die Stimmung an den Märkten hat sich gedreht: Die Aktienkurse steigen, die Zinsen gehen in die Höhe. Der Euro gewinnt an Wert, der Goldpreis steuert auf die 1000-Dollar-Marke zu, und das Barrel Rohöl kostet wieder deutlich mehr als 70 Dollar.

Das trifft den Verbraucher besonders hart, denn wenn Öl teurer wird, steigt prompt auch der Benzinpreis. Schon werden Kassandrarufe laut. Die deutsche Konjunktur werde den Preisanstieg nicht gut verkraften, heißt es. Tatsächlich wirkt jede Erhöhung wie eine Energiesteuer - mit dem Unterschied, dass das zusätzliche Geld, das die Autofahrer berappen, nicht dem Staat zugutekommt, sondern den Energiekonzernen oder den Ölförderländern.

Aber ist das wirklich so schlimm für die Wirtschaftsentwicklung? Gewöhnlich hat ein Ölpreisanstieg besonders schädliche Folgen, wenn er durch eine politische Krise hervorgerufen wird, so wie 1973 oder 1980. Davon kann im Moment keine Rede sein. Zumal die Opec-Länder gar kein Interesse an einer allzu starken Teuerung haben. Je höher der Ölpreis, desto eher lohnt sich die Ausbeutung von Lagerstätten, die sich nur unter hohen Kosten erschließen lassen, etwa in der Tiefsee. Diese Ölvorräte befinden sich aber meist außerhalb der Opec-Staaten - teures Öl würde also die Opec-Konkurrenz begünstigen.

Auch die Spekulanten als übliche Verdächtige scheinen nicht hinter der Teuerung zu stecken. Auf den Future-Märkten sind keine Anzeichen dafür zu finden. Bleibt als einziger Grund ein Anstieg der natürlichen Nachfrage. Der entsteht, wenn die Konjunktur wieder anzieht. Das trifft für Deutschland zwar noch nicht zu, doch in Asien und den USA gibt es schon deutliche Signale für eine Aufhellung.

Natürlich ist es verfrüht, schon wieder von einem Boom zu sprechen. Aber die Vorlaufindikatoren sind von Abschwung auf Stabilisierung gesprungen, und auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt werden pro Monat nur noch halb so viele Stellen abgebaut wie noch zum Jahresanfang. Das ist schon was, wenn man bedenkt, wo wir herkommen. Die Erwartungen sind positiv, und sie werden an den Finanz- und Rohstoffmärkten gehandelt. Deshalb steigt die Nachfrage nach Rohstoffen, und mit ihr der Preis.

Für Länder wie Deutschland ist das unerfreulich, schließlich haben wir den Abschwung noch nicht überstanden. Aber für die Exporteure eröffnen sich Chancen, sobald die Nachfrage aus dem Ausland wieder steigt. Man sollte sich also nicht zu sehr über den Ölpreisanstieg ärgern. Er ist ein positives Zeichen darauf, dass die Krise zu Ende geht.

Conrad Mattern ist Vorstand der Conquest Investment Advisory AG und Lehrbeauftragter an der Ludwig-Maximilians-Universität, München. Auf ZEIT ONLINE beleuchtet er immer zum Wochenbeginn die aktuelle Entwicklung an den Finanzmärkten.