Hohn, beißender Spott und ein wütendes Publikum – es ist nicht klar, ob man das Stück, das derzeit in Großbritannien abläuft, eine Tragödie oder eine Farce nennen soll. Der Titel lautet "Das Ende des Gordon Brown". Der Premier ist tödlich geschwächt. Er vermag sein Schicksal nicht mehr selbst zu bestimmen.

Dabei hat die vernichtende Schlappe der Labourparty bei den Europawahlen nicht zu seinem Sturz geführt. Der "Bauernaufstand" der Hinterbänkler flackerte am Montagabend während einer Sondersitzung der Labour-Fraktion nicht wieder auf. Nicht nur mangelte es weiterhin an einer Galionsfigur, um die sich die Rebellen hätten scharen können. Einige begehrten zwar auf, forderten Browns Rücktritt. Doch es war vergebens. Die meisten resignieren, haben sich mit damit abgefunden, dass Gordon Brown sie in die nächste Wahl und in die sichere Niederlage führen wird.

Der Premier aber sah während der Nackenschläge der letzten Tage erschreckend aus: das Gesicht bleich, tiefe Ränder unter den unruhig flackernden Augen, um Worte ringend. Nun ist ihm eine Atempause vergönnt. Mehr wohl nicht. Das quälend lange Endspiel kann immer noch für Überraschungen sorgen. Sein politisches Überleben hängt fortan einzig vom kalten Kalkül seiner Ministerriege ab. Die Schwergewichte im Kabinett unter Führung von Peter Mandelson, der nun den Titel "First Secretary of State" als sichtbares Zeichen seiner Sonderstellung trägt, haben sich gegen einen Sturz Browns entschieden. Kein "Ende mit Schrecken" also, sondern "ein Schrecken ohne baldiges Ende".

Der Rücktritt des Premiers hätte höchstwahrscheinlich sofortige Neuwahlen nach sich gezogen, mit katastrophalen Folgen für eine Partei, die am Sonntag nur noch auf 15,3 Prozent kam. Das heißt, weitermachen bis zum letztmöglichen Wahltermin im Juni nächsten Jahres. Mit Gordon Brown an der Spitze. Wahrlich keine beneidenswerte Aussicht.

Das "reshuffle", Browns Kabinettsumbildung, die er hastig auf vergangenen Freitag vorzog, sollte Stärke demonstrieren. Stattdessen wurde daraus ein "Todesreigen", der gnadenlos seine Machtlosigkeit enthüllte. Brown mutierte zum Regierungschef ohne Autorität, "im Amt, aber nicht an der Macht", ein Wort, das 1993 auf John Major, den letzten konservativen Premier gemünzt war und heute exakt auf Brown zutrifft.

Sieben Minister lehnten es ab, unter ihm zu dienen. Andere Minister, die er innerhalb des Kabinetts verschieben wollte, verweigerten den Gehorsam, darunter Außenminister David Milliband und Schatzkanzler Alistair Darling. Dabei gab es gute Gründe, Darling sogar zu entlassen. Der Schatzkanzler hatte jüngst erst die Steuerschraube angezogen und harte Geldstrafen gegen säumige Steuerzahler verhängt. Er selbst erwies sich als cleverer Steuervermeider, manövrierte Steuer sparend zwischen seinen diversen Wohnsitzen hin und her und bürdete alle erdenklichen Kosten dem Steuerzahler auf. Darling, bislang stets getreuer Gefolgsmann Browns, lehnte einen anderen Job ab. Der Premier wagte es nicht, ihn zu feuern. Mit seinem Abgang hätte Brown ein Zeichen der neuen Sauberkeit setzen können. Auch diese Chance hat er vertan.

Ein Kolumnist der Times bezeichnet Brown "die schwitzende, stolpernde Hülle einer gescheiterten politischen Karriere, der Macht und Intellekt abhanden gekommen sind und die nur noch durch Zorn und Eitelkeit am Leben gehalten wird". Ein Blatt wählte, um Browns hoffnungslose Lage zu illustrieren, den Vergleich mit "Big Brother". Die gesamte Nation hätte ihn für den Rausschmiss nominiert.