Sehen so Sieger aus? Schon unmittelbar nach Verkündung des Europawahlergebnisses am Sonntagabend hatte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla trotz des 17 Prozentpunkte starken Vorsprungs seiner Partei vor der SPD bei seinem Auftritt vor der Presse einen eher gefassten als freudigen Eindruck gemacht. Als Angela Merkel am Montagmittag vor die Mikrofone tritt, um die Zahlen zu analysieren, ist sie ebenfalls sichtlich bemüht, jeden Anschein von Übermut zu vermeiden.

"Mut, Kraft und Zuversicht" erfülle die Partei angesichts des Ergebnisses von fast 38 Prozent, sagt sie. Erkennbar sei ein  "positiver Trend" zugunsten von Schwarz-Gelb. Doch Merkel schiebt auch gleich eine Warnung hinterher: Ein Testlauf für die Bundestagswahl sei der Urnengang vom Vortag natürlich nicht gewesen.

Keine Frage, hier bemüht sich jemand "auf dem Boden zu bleiben". Ihre Partei sieht Merkel zwar in einer "guten Ausgangsposition", aber es liege eben auch noch viel Arbeit vor ihr.

Und doch ist da so etwas wie ein neues Selbstbewusstsein zu spüren, sieht sich die Parteispitze mit dem Wahlergebnis doch auch in ihrem bisherigen wirtschaftspolitischen Kurs bestätigt. Jetzt, wo die SPD für ihre schnelle Bereitschaft, Not leidenden Wirtschaftskonzernen mit immer neuen Milliarden beizuspringen, vom Wähler nicht belohnt wurde, fällt auch der Union das Neinsagen wieder leichter.

"Wir werden keinen Lösungen zustimmen, die nur wenige Monate halten", betont Merkel denn auch erneut mit Blick auf mögliche Beihilfen für den Handelskonzern Arcandor. Die Entscheidung des Lenkungsausschusses des Deutschlandfonds, dem Unternehmen keinen Zugang zu Krediten aus dem Fonds zu gewähren, war im CDU-Präsidium zuvor mit lautem Beifall quittiert worden. Kein Wunder, dass selbst einer von Merkels schärfsten Kritikern, der Vorsitzende der Mittelstandsvereinigung Joseph Schlarmann, die Sitzung an diesem Tag so zufrieden wie lange nicht verließ.

Geschlossene Reihen also, das kann Merkel nur recht sein, nachdem es immer wieder innerparteiliche Kritik an ihrem Wahlkampfstil gegeben hatte. Das Wahlergebnis verschafft ihr die Autorität, gelassen auf das vergangene Störfeuer aus den eigenen Reihen zu reagieren. Diejenigen, die ihr empfehlen würden ihre Wahlkampftaktik zu ändern, "tun das teilweise schon seit Jahren", sagt sie. Im Übrigen, wer ihr vorwerfe, sie sei zu wenig kämpferisch mit dem Koalitionspartner SPD verfahren, möge bitte zur Kenntnis nehmen, dass dies offenbar nicht geschadet habe.

Zweifellos positiv für Merkel sind auch die Signale, die sie an diesem Montag aus München erreichen. "In größtmöglicher Geschlossenheit werde die CSU mit der CDU auf die Bundestagswahl am 27. September zu marschieren", ließ sich der frischgestärkte CSU-Vorsitzende Horst Seehofer vernehmen und versprach: "Wir werden nicht, damit man uns hört, Streitereien vom Zaun brechen."