Die SPD ist die große Verliererin der Europawahl in Deutschland: Nach Auszählung aller Wahlkreise liegen die Sozialdemokraten am Sonntag sogar unter ihrem historischen Tiefpunkt von 21,5 Prozent vor fünf Jahren. Sie kommt auf 20,8 Prozent. CDU und CSU erreichen zusammen 37,8 Prozent - 6,7 Prozentpunkte weniger als 2004.

Die CSU kommt – bundesweit gerechnet – auf 7,2 Prozent und schafft damit klar den Sprung über die bundesweite Fünf-Prozent-Hürde. Sie erreicht mit knapp 50 Prozent in Bayern ein deutlich besseres Ergebnis als bei der Landtagswahl im September, wo sie mit 43,4 Prozent ein Debakel erlebt hatte.

Die FDP erreicht nach starken Gewinnen mit 11 Prozent ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Europawahl (2004: 6,1). Die Linke verbessert sich leicht und kommt auf 7,5 Prozent (2004: 6,1). Die Grünen liegen mit 12,1 Prozent über ihrem Rekordergebnisses von 11,9 Prozent vor fünf Jahren. Die erstmals bei einer Europawahl antretenden Freien Wähler schafften den Sprung ins Europaparlament nicht. Rechtsextreme Parteien spielten so gut wie keine Rolle. (Die Hochrechnungen im grafischen Überblick)

Die Wahlbeteiligung lag mit 43,3 Prozent minimal höher als bei der Wahl 2004 ab. Damals gab es mit 43 Prozent einen Negativ-Rekord.

Der SPD-Vorsitzende Franz Müntefering äußerte sich enttäuscht über das Abschneiden seiner Partei. "Das ist ein schwieriger Abend für uns, keine Frage", sagte Müntefering. "Wir müssen, ohne uns von dem Ergebnis beeindrucken zu lassen, unseren Weg gehen" sagte er weiter. Auch die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles reagierte enttäuscht. Mit Blick auf die Bundestagswahl im September müsse die SPD noch "Mobilisierung nachholen", sagte sie im ZDF.

Unions-Fraktionschef Volker Kauder (CDU) bekräftigte in einer ersten Stellungnahme zum Wahlergebnis den Anspruch der Union, den nächsten deutschen EU-Kommissar zu stellen. "Der nächste Kommissar kommt von der Union", sagte er. Kauder sagte, die SPD könne mit diesem Ergebnis ihren Anspruch, den nächsten Kommissar zu stellen, nicht länger aufrecht erhalten.

FPD-Chef Guido Westerwelle konnte sich einen Seitenhieb auf die Union nicht verkneifen: "Manche sagen, sie hätten die Wahl gewonnen, weil sie nicht so hoch verloren haben, wie sie befürchtet haben", sagte er. Und fuhr fort: "Wir haben heute das beste Ergebnis, das die FDP jemals bei einer Europawahl erzielt hat." Die Wähler in Deutschland hätten heute die Mitte heute gestärkt. Westerwelle sagte: "Wir haben aufgefangen, was die Union verloren hat. Wir werden die Sozialdemokratisierung der Union stoppen."