Die konservative UMP von Nicolas Sarkozy kam nach Auszählung fast aller Wahlkreise auf 27,7 Prozent der Stimmen und lag damit deutlich vor den Sozialisten (PS). Die Schwesterpartei der deutschen SPD stürzte auf 16,8 Prozent ab und lag nur knapp vor den Grünen. Damit musste die wichtigste Oppositionspartei nach der Niederlage bei den Präsidentenwahlen erneut eine herbe Schlappe hinnehmen.

Die Wahlbeteiligung lag nach Angaben des Innenministeriums bei 40,5 Prozent, ein historisches Tief bei Europawahlen in Frankreich. 2004 lag sie bei 42,8 Prozent.

Für die große Überraschung bei den Wahlen sorgten die von dem deutsch-französischen Europapolitiker Daniel Cohn-Bendit geführten Grünen (Europe Ecologie), die auf 15,7 Prozent kamen, ein weitaus besseres Ergebnis als erwartet.

Er habe seit Oktober mobilisiert und Europa erklärt, begründete Cohn-Bendit seinen Erfolg. Er verlangte, dass Frankreich sich nun gegen eine zweite Amtszeit des konservativen EU-Kommissionspräsidenten José Manuel Barroso einsetzt. Die Mehrheit der Franzosen hätte für Parteien gestimmt, die gegen Barrosos Wiederwahl sind, begründete der 64-Jährige seine Forderung.

Premierminister François Fillon (UMP) sprach von einem "sehr guten Ergebnis" seiner Partei. Erstmals seit 1984 geht ein Regierungsbündnis als Sieger aus den Europawahlen hervor. Fillon ging allerdings nicht darauf ein, dass dennoch eine breite Mehrheit der Bevölkerung gegen die UMP von Präsident Nicolas Sarkozy stimmte.

Die neue Sozialisten-Chefin Martine Aubry lehnte am Abend zunächst ab, Konsequenzen aus dem schlechten Abschneiden ihrer Partei zu ziehen. "Ich werde alle meine Energie dafür einsetzen, den Weg der vergangenen Monate weiterzuverfolgen", sagte sie.

Insgesamt waren in Frankreich rund 44 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen. Um die 72 französischen Sitze im EU-Parlament hatten sich mehr als 3000 Kandidaten beworben.