Labour ist nach dem Spesenskandal und der darauf folgenden Regierungskrise bei der Europawahl abgestürzt. Nach Auszählung von zwei Dritteln der 12 Wahlregionen in Großbritannien war die Partei nur noch drittstärkste Kraft. Die Regierungspartei verlor laut einem Zwischenstand vom frühen Montagmorgen fast 7 Prozentpunkte und kam nur noch auf 14,4 Prozent. Das ist das schlechteste Ergebnis seit dem Ersten Weltkrieg.

Das amtliche Endergebnis wird erst am Montag feststehen, weil dann erst in der Region Nordirland ausgezählt wird.

Die Brown-Partei wurde von der europafeindlichen Partei UKIP mit 17,1 Prozent überflügelt, lag aber noch knapp vor den Liberaldemokraten, die 14,1 Prozent erreichten. Stärkste Kraft wurde die Konservative Partei von Oppositionschef David Cameron mit 29,1 Prozent. In der Region Yorkshire konnte sich die ausländerfeindliche Partei BNP einen Sitz im Europaparlament sichern.

Damit ist das politische Überleben Browns weiter fraglich. Der Premier hatte, auch wegen des Skandals um betrügerisch abgerechnete Spesen, vergangene Woche sieben Minister verloren und musste sein Kabinett umbilden.

Nachdem Browns Labour-Partei schon bei den Kommunalwahlen am Donnerstag ein Desaster erlebt hatte, wollen an diesem Montag Rebellen in seiner eigenen Partei entscheiden, ob sie einen Antrag zum Sturz des Premiers voranbringen. Brown selbst hatte am Sonntag noch einmal erklärt, in den schwierigen Zeiten sein Amt fortführen zu wollen.

Um die erhitzten Gemüter nach der Wahlniederlage zu beruhigen, will Brown nach Informationen der Times die Teilprivatisierung der britischen Post verschieben. Der Verkauf eines Anteils der Royal Mail ist auch innerhalb der Labour-Partei sehr umstritten. Außerdem will Brown nach Medieninformationen eine Untersuchung einleiten, die die britische Beteiligung beim Krieg gegen den Irak unter die Lupe nimmt.