Es gibt auch noch andere Krisen als die Finanzkrise. Zum Beispiel Führungskrisen. In einer solchen steckt seit längerem die Universität Hamburg, an deren Spitze seit zweieinhalb Jahren Monika Auweter-Kurtz steht. Ihren Spitznamen "Raketen-Moni" verdankt die Präsidentin nicht nur ihrem Beruf – sie ist Raketen-Ingenieurin – sondern auch ihrem zackigen Führungsstil, der vielen als autoritär und undemokratisch gilt.

Zwei wichtige politische Entscheidungen stehen in Hamburg in nächster Zeit an: Es geht um den eventuellen Umzug der Universität in das Hamburger Hafengebiet und um die Novellierung des Hochschulgesetzes, die der Hochschulführung mehr Macht geben soll. Der Gesetzentwurf sieht unter anderem vor, dass dem Präsidium das alleinige Vorschlagsrecht für Dekane, die Leiter der insgesamt sechs großen Fachbereiche, vorbehalten ist.

Auweter-Kurtz wirbt für beide Vorschläge offensiv. Für sie ist der Umzug aus der Mitte der Stadt in den Hafen unbedingt notwendig, um mit der fünftgrößten Universität Deutschlands, die in Rankings stets schlecht abschneidet, "an die Spitze der deutschen Hochschulen aufzuschließen". Dafür seien mehr Fördergelder für mehr Wissenschaftlerarbeitsplätze und mithin neue Nutzflächen erforderlich. Gegner und Kritiker des tollkühnen, voraussichtlich zwei Milliarden teuren Uni-Neubaus sehen sich ignoriert. Sie warnen vor der Zerstörung lang gewachsener lokaler Strukturen und vor dem Verfall von ehrwürdigen Traditionen.

Mehrere Hochschullehrer haben inzwischen einen Aufruf zur Abwahl der Präsidentin verfasst und dafür 120 Unterschriften von Kollegen gesammelt. In dem Schreiben, das ZEIT ONLINE vorliegt, ist von "gravierenden Missständen an der Universität" die Rede. Die Leitung der Hochschule sei von einer "praxisfernen Überbürokratisierung" gekennzeichnet und habe sich "in kurzer Zeit zu einer autoritär geführten Einrichtung entwickelt."

Weiter heißt es: "Eine Universität, deren Mitglieder demoralisiert und ihrer eigenen Institution entfremdet werden, verliert jede Attraktivität". Für die Abwahl der Präsidentin ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit im Hochschulrat nötig. Das Gremium setzt sich jeweils zur Hälfte aus Mitgliedern der Universität sowie externen Beratern zusammen. Es hat sich in der vergangenen Woche bereits klar auf die Seite von Auweter-Kurtz gestellt.

Unterstützung bekommen die aufrührerischen Professoren hingegen durch drei ehemalige Vize-Präsidenten der Uni. Wilfried Hartmann, Jörg Hennig und Barbara Vogel wenden sich in einem Brief an die Fraktionsvorsitzenden der Hamburger Bürgerschaft mit der Bitte, die Novelle des Hochschulgesetzes noch zu verhindern und die akademische Selbstverwaltung zu stärken.

Auweter-Kurtz jedenfalls würde sich mit dem neuen Gesetz viel von der Sorte Ärger ersparen, wie sie ihn seit Anfang Mai mit dem geisteswissenschaftlichen Fakultätsrat erlebt. Der hat einstimmig den Theologen Hans-Martin Gutmann zum Dekan gewählt. Das Präsidium aber verweigert die Anerkennung.