Felix Magath verlässt den Meister Wolfsburg, Martin Jol lässt den HSV sitzen, Hans Meyer geht trotz des Klassenerhalts mit Mönchengladbach in Rente, Christoph Daum zieht freiwillig in die Türkei, Bruno Labbadia spielt mit seiner Entlassung in Leverkusen, indem er am Tag des Pokalfinals Spieler und Verein in einem gut platzierten Interview kritisiert. Bundesliga-Trainer kleben nicht mehr lange an ihren Stühlen, sondern kündigen. Ist die Häufung ein Zufall oder ein Trend?

Auch wenn die Fälle unterschiedlich liegen – sie scheinen einen gemeinsamen Grund zu haben: Vorstände deutscher Fußballvereine haben noch nicht erkannt, dass der Trainer der wichtigste Posten ist. Dass sie ihn schützen müssen vor den unangemessenen Erwartungen des Umfelds (und oft den eigenen). Dass sie ihm Befugnisse über den Trainingsplatz hinaus zugestehen sollten. Dass sie ihm Zeit einzuräumen haben und sich in der Bewertung seiner Qualität nicht von der Tagesaktualität lenken lassen dürfen. Nun beweisen die Trainer ihre Autonomie und schlagen zurück.

Magath begründete seinen Wechsel nach Schalke damit, dass er nicht mehr daran glaube, länger in einem Verein arbeiten zu können. Das mag zum einen vorgeschoben sein. Zum anderen hat Magath auf seiner langen Trainerkarriere viele schlechte Erfahrungen gemacht. Selbst als Double-Gewinner wurde er vor die Münchner Tür gesetzt. Auch den verdienten Ottmar Hitzfeld, den einzigen deutschen Trainer der vergangenen Jahrzehnte von Weltformat, jagten die Bayern zwei Mal vom Hof. Er hatte sich bis zur Selbstverleugnung zerrieben, auch weil er in brenzligen Situationen oft alleine dastand.

Nach dem Titelgewinn Wolfsburgs beantwortete Bayern-Manager Uli Hoeneß die Frage, ob er es bereue, Magath vor zwei Jahren entlassen zu haben: "Wir in München sind sehr unter Druck und müssen schneller Entscheidungen treffen, als das bei anderen Vereinen der Fall ist." Ob Hoeneß gemerkt hat, dass er eingestanden hat, Getriebener zu sein – und seine Trainer zu Getriebenen zu machen? Getriebener der Presse, der Fans und den Gefühlsschwankungen der Alphatiere des FC Bayern, zu denen auch er gehört.

Das jüngste Beispiel, wie unvernünftig Vereine in schwierigen Lagen mit dem Trainerposten umspringen, ist Arminia Bielefeld. Einen Spieltag vor Saisonende trennte sich der Klub von Michael Frontzeck – und fiel vom Relegationsrang 16 auf Platz 18. Frontzeck hat nun, keine drei Wochen später, in Mönchengladbach angeheuert. Ein weiterer Grund dafür, dass die Trainer mit ihren Rücktritten und Vereinswechseln nicht viel riskieren: Die Konkurrenz ist klein. Es sind immer wieder dieselben Namen im Gespräch, zu wenig neue Gesichter bekommen in der Bundesliga eine Chance. Deutsche Vereine ziehen sich zudem kaum Eigengewächse heran. Und in der Trainerausbildung, klagen Experten, seien Spanien, Italien und Holland den Deutschen voraus.

"Der Trainer ist der wichtigste Transfer", sagte Philipp Lahm, auf seine Wechselabsichten angesprochen. Doch viele Funktionäre scheinen nicht zu wissen, worauf es ankommt. Der Irrtum, eine große Spielerkarriere sei für einen Trainer von großem Vorteil, ist offenbar noch immer verbreitet. Dabei merkt man im Gespräch mit Profis schnell: Ein ehemaliger Nationalspieler mag bei ihnen einen kleinen Bonus haben, doch der verbraucht sich schnell, wenn sie merken, dass er zum Trainer nicht taugt. Vor Spott in der Umkleidekabine schützen keine 150 Länderspiele. Im Gegensatz dazu kann auch ein Novize bei Stars schnell Respekt erlangen, wenn er gute Arbeit leistet.

Wo sind die jungen Trainertalente? Die Gewinner der Bundesliga-Saison sind älteren Kalibers: Magath (55), Jol (53), Heynckes (64), Favre (51), Meyer (66). Ausnahme ist Markus Babbel (36), der allerdings erst rund zwanzig Spiele hinter sich hat. Und Jürgen Klopp nicht zu vergessen, der ja erst 41 ist.

Aber es gibt Hoffnung, die drei Aufsteiger aus der Zweiten Liga sind neu in der Bundesliga: Jörn Andersen (46) hat Mainz aus der Abhängigkeit von Klopp befreit. Ähnliches gilt für Robin Dutt (44), der in Freiburg das schwere Erbe Volker Finkes antrat. Und in Nürnberg ist Michael Oenning (43) erfolgreich, ein ehemaliger Universitätsmitarbeiter und Pianist. Alle drei haben die Niederungen des unterklassigen Fußballs durchschritten. Dutt und Oenning waren zudem nie Profis. Sie verkörpern einen neuen Typen, mindestens aber eine neue Generation. Hoffentlich stehen ihre Vereine auch in schwierigen Zeiten zu ihnen. Dem deutschen Fußball täte es gut.