Barack Obama hatte sich für einen Neuanfang mit der islamischen Welt ausgesprochen, doch in seiner mit Spannung erwarteten Rede an die islamische Welt bot er kaum Überraschungen: Er forderte von den Palästinensern Gewaltverzicht und Augenmaß, von Israel mehr Friedenswillen und ein Ende des Siedlungsbaus. Er setzte sich aber auch für ein Ende des Misstrauens und der Zwietracht zwischen dem Westen und der islamischen Welt ein. "Solange wir unser Verhältnis über unsere Differenzen definieren, werden wir die stärken, die Hass säen."

Entsprechend freundlich fielen die meisten Reaktionen aus, nachdem der Präsident vor 2500 geladenen Gästen in Kairo seine Rede beendet hatte. Die Palästinensische Autonomiebehörde begrüßte die Rede als "ermutigenden Neubeginn". Der Sprecher von Präsident Mahmud Abbas sagte, Obama habe "ehrlich und klar" über Partnerschaft, Vertrauensbildung und Abbau von Spannungen in der Region gesprochen.

Seine Worte zum Leid der Palästinenser und die Notwendigkeit der Gründung eines palästinensischen Staates seien ein "wichtiger Schritt in Richtung einer gerechten und umfassenden Friedensregelung in der Region". Israel müsse Obamas Worte sehr ernst nehmen.

Der US-Präsident hatte auch der islamistischen Palästinenserorganisation Hamas eine Rolle im Friedensprozess zugewiesen. "Damit sie eine Rolle spielen kann bei der Erfüllung der Hoffnungen der Palästinenser und damit das palästinensische Volk wieder geeint wird, muss Hamas die Gewalt beenden, frühere Vereinbarungen respektieren und das Existenzrecht Israels anerkennen", sagte er in seiner 55-minütigen, oft von Beifall unterbrochenen Rede.

Die Angesprochenen reagierten verhalten bis skeptisch: Der Abgeordnete der mit Palästinenserpräsident Abbas' Fatah rivalisierenden Hamas-Bewegung, Mahmud Ramahi, sagte, er sehe "viele positive Punkte". Es bestehe ein Unterschied zur Politik von Obamas Vorgänger George W. Bush. Doch offen sei, ob im Ergebnis ein unabhängiger palästinensischer Staat entstehe.

Radikale Muslime lehnten die Rede gleichwohl ab. In einer Al-Qaida-Chef Osama bin Laden zugeschriebenen Botschaft wurden die Muslime vor einem Bündnis mit Christen und Juden gewarnt. "Rüstet Euch für einen langen Krieg gegen die Ungläubigen", hieß es. Die Hisbollah im Libanon und die Muslim-Bruderschaft in Ägypten kritisierten die Rede als "PR-Ansprache".

Der Mufti von Syrien, Scheich Ahmed Badreddin Hassun, dankte Obama dagegen "für diese historische Friedensbotschaft". Er würdigte, dass der Präsident das Recht der Palästinenser auf einen eigenen Staat betont habe. Der syrische Politologe Sami Mobeid sah in der Rede "einen Paradigmenwechsel in der amerikanischen Politik". Obama wolle, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Bush, den Völkern der Welt die Demokratie nicht mit Gewalt aufzwingen.

Neue Möglichkeiten für den Friedensprozess im Nahen Osten sah auch der Assistent des Generalsekretärs der Arabischen Liga für palästinensische Angelegenheiten, Mohammed Sobeih. Obama habe eine "Rede der Versöhnung" gehalten, sagte er, die Araber und die Muslime seien gut beraten, diese Chance zu ergreifen.