Nicht nur in Österreich, Dänemark, Deutschland oder Großbritannien, auch in Südwesteuropa müssen die Sozialisten Einbußen hinnehmen: In Portugal erhielt die Partei von Ministerpräsident José Sócrates nach Auszählung aller Wahlkreise nur 26,6 Prozent der Stimmen.

Mit 31,7 Prozent eroberte die oppositionelle bürgerlich- konservativ orientierte Sozialdemokratische Partei (PSD) entgegen allen Umfragen Platz Eins. Bei der Europawahl vor fünf Jahren war die Sozialistische Partei (PS) noch auf 44,52 Prozent gekommen, während die PSD 32,5 Prozent bekommen hatte.

PSD-Präsidentin Manuela Ferreira Leite sagte, die Wahlen hätten gezeigt, dass die Portugiesen eine "Alternative zur herrschenden Macht" wollten. Sozialistenführer Sócrates räumte ein "enttäuschendes" Abschneiden ein, sagte aber, er werde keine personellen oder politischen Konsequenzen ziehen und mit noch mehr Energie für einen Sieg der PS bei den für den Herbst angesetzten Parlamentswahlen arbeiten.

Die PSD entsendet nun acht Abgeordnete in das Straßburger Parlament, während sich die PS mit sieben Vertretern begnügen muss.

Der große Gewinner der EU-Wahlen in Portugal war jedoch nach übereinstimmender Medieneinschätzungen der Linksblock (BE), ein Zusammenschluss der radikalen linken Parteien und der Parteilosen. Mit 10,7 Prozent konnte der BE das Ergebnis der letzten EU-Wahlen im Jahr 2004 (4,92 Prozent) mehr als verdoppeln und ist künftig als drittstärkste portugiesische Kraft mit drei Politikern in Europa vertreten.

Die Portugiesen wählten insgesamt 22 Europaabgeordnete. Rund 62,95 Prozent aller Wahlberechtigten gingen gar nicht zur Wahl. Damit kam Portugal dem Enthaltungsrekord von 1999 (64,4 Prozent) nahe. Insgesamt waren rund 9,5 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen.