Michael Preetz saß daheim vor dem Fernseher, als Werner Gegenbauer den entscheidenden Satz sagte. Es war am Sonntagabend um kurz vor elf, am Ende eines turbulenten Wochenendes für Hertha BSC. Präsident Gegenbauer verkündete im Interview mit dem RBB die um ein Jahr vorgezogene Trennung von Manager Dieter Hoeneß, und eher nebenbei erwähnte er, "dass wir Michael Preetz zum Geschäftsführer Sport ernennen werden".

Das war ein wenig voreilig formuliert. Für die Besetzung des zweiten Geschäftsführers der Geschäftsführung der Hertha BSC Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) neben Ingo Schiller sind formale Standards einzuhalten. Erst muss das Präsidium in seiner Funktion als Beirat der KGaA einen entsprechenden Gesellschafterbeschluss fassen. Das aber lässt sich so schnell nicht bewerkstelligen, nachdem sich die Dinge zuletzt ein wenig schneller entwickelten als geplant. Präsident Gegenbauer reiste am Montag für zwei Tage nach Zürich, wo er mit Trainer Lucien Favre und dessen Berater Christoph Graf die Zukunft bespricht.

Ein paar Tage also muss Preetz noch warten bis zur Beförderung, die dazu noch eine vorläufige ist. Erst im Herbst will das Präsidium über die neue Struktur der Geschäftsführung entscheiden, letzte personelle Details sollen erst zu Beginn des kommenden Jahres geklärt werden. Aber dass Michael Preetz in diesem neuen Konstrukt eine zentrale Rolle spielen wird, daran zweifelt niemand.

Für den einstigen Publikumsliebling wird es ein Comeback als Führungspersönlichkeit. "Wir müssen sofort eine intakte Struktur in der sportlichen Leitung installieren", sagt Bernd Schiphorst, der Vorsitzende des Aufsichtsrats. Es heißt, nicht alle Mitglieder von Präsidium und Aufsichtsrat seien restlos überzeugt davon, dass Preetz die von Hoeneß hinterlassene Lücke sofort schließen kann. Es fehlten ihm Praxis und Erfahrung, aber woher sollte beides auch kommen, nach Jahren im breiten Schatten seines Vorgängers? Preetz wird in der täglichen Arbeit zeigen müssen, ob er im Management genauso erfolgreich arbeiten kann wie früher, als er noch in kurzen Hosen die Strafräume der Bundesliga unsicher machte.

Der Stürmer Michael Preetz war zu seiner besten Zeit Ende der neunziger Jahre mehr als ein gewöhnlicher Fußballspieler. Herthas Trainer damals hieß Jürgen Röber, sein Einfluss auf die Mannschaft war allerdings gering. Wenn die Spieler auf den Platz gingen, baldowerten sie ihre eigene Taktik aus, die eigentlichen Trainer waren Abwehrchef Kjetil Rekdal und eben Michael Preetz. Das klappte immerhin so gut, dass Hertha in die Champions League einzog. Röber sonnte sich gern in dem Erfolg, den er nur am Rande zu verantworten hatte, was den Norweger Rekdal regelmäßig zur Weißglut trieb. Preetz hatte für den wütenden Kollegen nur ein müdes Lächeln übrig. Ist doch egal, wer sich feiern lässt, Hauptsache das Ergebnis stimmt.

Die Geschichte mit Röber und Rekdal verrät einiges über das Selbstverständnis des Mannes, der Dieter Hoeneß als Geschäftsführer beerben wird. Michael Preetz ist kein Mann der lauten Töne, keiner, der sich in den Vordergrund drängt und nach öffentlicher Aufmerksamkeit giert. Unter anderem daran ist Hoeneß ja nach zwölfeinhalb Berliner Jahren und allen unbestrittenen Verdiensten gescheitert: dass er nicht mit ansehen konnte, wie Herthas jüngste Erfolge in der öffentlichen Wahrnehmung vor allem Trainer Lucien Favre zugeschrieben wurden und nicht ihm, dem Manager, der den Schweizer doch erst nach Berlin geholt hatte.

Es gibt da erstaunliche Parallelen zwischen Michael Preetz und Lucien Favre, was deren Verhältnis zu Dieter Hoeneß betrifft. In beiden Fällen achtete der allmächtige Manager darauf, dass nicht zu viel Licht auf einen fallen würde, der ihm in der Öffentlichkeit den Ruf eines Machers streitig machen könnte. In semivertraulichen Gesprächen ließ Hoeneß gern durchblicken, wie wenig er von Preetz hält und wie viel dieser noch lernen müsse. Preetz fing 2003 als Assistent der Geschäftsführung an und wurde von Hoeneß nur zögerlich mit weiteren Kompetenzen ausgestattet.