Man hat es ja geahnt: Eines der Babys, das den Eltern auf Probe überreicht wird, landet gleich beim Einzug schmerzhaft auf dem Hinterkopf und weint bitterlich. Die leibliche Mutter scheint's wenig zu beirren, sie nimmt ihren Sohn auf den Arm, tröstet ihn und glaubt, dass trotzdem alles schon gut gehen werde.

RTL hat  in all den Jahren, in denen der Sender diese Art von Reality-Shows präsentiert, allerhand gelernt. So müssen denn die echten Eltern der Babys vor laufender Kamera erklären, warum sie "das Schönste, was sie haben" in fremde Hände geben. Natürlich sagt kein Paar, dass es hofft, ihr Kind werde so für die Fernsehwelt entdeckt. Nein, sie sagen, wie wichtig es für die Teenager sei, Verantwortung zu lernen. Erklärt wird damit eher wenig.

Eigentlich kommt dann alles schlimmer als erwartet. Denn die Sorge im Vorfeld um das Wohl der Leih-Babys verstellte den Blick auf die Teenager. Die erste Folge nahm sich zwei Stunden Zeit für die Einführung, in der die Babys selbst aber erst zum Schluss Einzug halten. Zuerst müssen die Jugendlichen, von denen viele noch selbst bei Mama wohnen, vor laufender Kamera als Paar, mit einem Baby-Bauch-Simulator und einer computergesteuerten Puppe zurechtkommen. Viel Zeit also für die Zuschauer, sich mit den acht Mädchen und Jungen zu beschäftigen.

Viele Konflikte deuten sich bereits an, als die Protagonisten vorgestellt werden. Sätze wie "Ich habe meine Freundin einmal geschlagen und danach war Ruhe", lassen Böses ahnen. Sieht man die Pärchen anfangs noch romantisch Hand-in-Hand spazieren, brechen sich unter Stress uralte Rollenklischees Bahn. Einem 17-Jährigen ist arbeiten zu anstrengend; Haushalt und Kind zu versorgen scheinen ihm dagegen anfangs ein Leichtes zu sein. Dann läuft es darauf hinaus: Soll die Frau sich doch kümmern. Die jungen Männer wollen etwas zu essen und verdrücken sich, wenn es unangenehm wird. Die Frauen jammern über ihre große Belastung und erreichen höchstens, dass der Liebste auch noch genervt ist. Und wir dachten, diese Zeiten sind längst vorbei!

Es ist wirklich hart mit anzusehen, was innerhalb kürzester Zeit mit den Teenagern in der Elternrolle passiert. Gerade weil sie noch unreif zwischen Kind- und Erwachsensein schwanken, sind sie nicht in der Lage, ihre Gefühle für die Öffentlichkeit zu maskieren, um sich selbst zu schützen. So sagen und zeigen sie ungefiltert, was ihnen gerade durch den Kopf geht. Eine der Mütter auf Probe kann zum Beispiel wegen ihres Pseudo-Baby-Bauches beim Zusammenbau des Kinderbettes nicht helfen, kommentiert aber eifrig die Bemühungen ihres Freundes. Der lässt seinem Ärger über ihre Kritik freien Lauf: "Guck mal in den Spiegel, dann weißt du, was hässlich ist." Was mag wohl in den Mädchen und Jungs vorgehen, wenn sie sich später hören und sehen, wie sie ihren Partner vor Zuschauern verletzt haben?

Auch diese zum Teil noch minderjährigen Teenager haben Eltern, die erlaubt haben, dass ihre Kinder für die Quote eines Privatsenders geopfert werden. Diese Sendung hat alles, was Unterhaltung braucht: Drama und Horror. Nur gruselt man sich leider auf Kosten Unschuldiger. Da hilft nur eins: ausschalten und die Quote kaputt machen.