China hat im vergangenen Jahr 84,9 Milliarden Dollar (61,2 Milliarden Euro) für militärische Zwecke ausgegeben. Dahinter folgen Frankreich, Großbritannien, Russland und Deutschland. Peking rückt damit von Platz drei auf Platz zwei hinter den USA vor. Das berichtet das Stockholmer Friedensforschungsinstitut (Sipri) in seinem jüngsten Rüstungsbericht. Auf China entfallen sechs Prozent der weltweiten militärischen Aufwendungen.

Vor dem asiatischen Land liegen nur noch die USA: Mit 607 Milliarden Dollar und einem Anteil von 41 Prozent an den weltweiten Rüstungsausgaben dominieren sie das aktuelle Sipri-Ranking. Vor allem die Kriege in Irak und Afghanistan belasten den amerikanischen Militärhaushalt weiter. Zwar hat US-Präsidenten Barack Obama mit dem Abzug der Kampftruppen aus den Irak begonnen, doch andere Einheiten des Heeres, der Marines und der Luftwaffe bleiben im Nahen Osten stationiert.

Auch unter Obama steigen die amerikanischen Verteidigungsausgaben – wenn auch nur um vier Prozent. Verteidigungsminister Robert Gates setzt neue Prioritäten bei den Rüstungsausgaben. Er wird weniger Mittel für teure Hightech-Waffen wie den Kampfjet F-22 ausgeben und stattdessen mehr Geld in die Streitkräfte investieren. Ob und in welcher Form der umstrittene Raketenschirm weiter vorangetrieben wird, lässt Washington offen. Das Rüstungsprojekt führte in der Vergangenheit zu Konflikten zwischen den USA und Russland. Moskau kündigte an, neue Raketen entwickeln zu wollen, sollte der Schirm fertig gestellt werden. Dies dürfte dann die Militärausgaben weiter vorantreiben.

Auch ihre Position als führender Waffenexporteur mit einem Marktanteil von 31 Prozent behaupten die Vereinigten Staaten, gefolgt von Russland mit 25 und Deutschland mit 10 Prozent. Die Militärausgaben der Bundesrepublik liegen bei 46,8 Milliarden Euro. Deutschland liegt damit auf Platz sechs. Große Etats im Verteidigungshaushalt sind die Anschaffung neuer Korvetten für die Marine, die Abnahme weiterer Margen des Kampfflugzeuges Eurofighter und der Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan.

Die Länder mit den weltweit höchsten Rüstungsimporten waren 2008 China und Indien. Die beiden Länder streben beide nach mehr Einfluss in Asien. Indien führt zudem ein Wettrüsten mit dem Nachbarn und Erzrivalen Pakistan. Alle drei Länder sind Atommächte und verfügen über Mittel- und Langstreckenraketen. Seit Jahren gehören China, Indien und Pakistan zu den asiatischen Staaten mit den größten Militärausgaben. Peking führte 2008 allerdings im Vergleich zum Vorjahr weniger Rüstungssysteme ein, da das kommunistische Regime zunehmend auf Waffen aus eigener Herstellung setzt.

Der mit Abstand größte Waffenhändler der Welt bleibt der amerikanische Konzern Boeing. Die Rüstungsschmiede verkaufte 2007 Rüstungsgüter im Wert von 30,5 Milliarden Dollar. Für vergangenes Jahr liegen noch nicht die kompletten Daten aller Unternehmen vor. An zweiter Stelle folgt der britische Konzern BAE Systems mit rund 29,9 Milliarden Dollar, vor den US-Firmen Lockheed Martin, Northrop Grumman und General Dynamics. Der europäische Rüstungskonzern EADS, zudem auch der Flugzeugbauer Airbus gehört, befindet sich in der Rangliste mit 13,1 Milliarden Dollar auf dem siebten Platz.

Seit 1999 sind die weltweiten Militärausgaben um 45 Prozent auf 1,46 Billionen Dollar gestiegen, errechneten die Stockholmer Experten. Das entspricht 217 Dollar pro Kopf der Erdbevölkerung. Die Rüstungsproduzenten sind Sipri zufolge noch "relativ unberührt von der weltweiten Finanzkrise".