Im monatelangen Kampf um die Macht zwischen den beiden Automobilzulieferern Continental und Schaeffler verdichten sich die Anzeichen für eine Wende. Der Conti-Aufsichtsrat sprach sich in Hannover für ein Zusammengehen der beiden Unternehmen aus und beauftragte den Vorstand, alle Aspekte einer Fusion zu prüfen, insbesondere deren finanzielle Tragfähigkeit. Bis Ende Juli soll über ein Konzept entschieden sein. Bis dahin sollen auch Alternativen ausgelotet werden.

"Die industrielle Logik dieser Verbindung liegt auf der Hand", erklärte Aufsichtsratschef Rolf Koerfer. "Wir haben die große Chance, hier in Deutschland den zweitgrößten Automobilzulieferer der Welt zu schaffen."

Nach und nach zeigt sich im Übernahmepoker um Conti und Schaeffler, dass – wie im Falle von Volkswagen und Porsche – aus dem einstigen Käufer der Gekaufte werden kann. Schaeffler war vor fast einem Jahr bei Conti eingestiegen, um sich den Hannoveraner Konzern einzuverleiben. Die Finanz- und Wirtschaftskrise und die daraus entstandenen Verzerrungen an den Kredit- und Aktienmärkten machten das Geschäft für den fränkischen Wälzlagerhersteller jedoch zum Risiko und zwangen ihn zum Umdenken. Tausende Stellen stehen zur Disposition.

Das Familienunternehmen aus Herzogenaurach hält mit 49,9 Prozent die Mehrheit an Conti. Weitere 40 Prozent sind bei Banken geparkt, weil sich Schaeffler verpflichtet hatte, bis 2012 unter der Schwelle von 50 Prozent zu bleiben.

Zentraler Bestandteil der bisher bekannt gewordenen Fusionsplanungen: Das gesamte operative Geschäft von Schaeffler – sowohl der Automobilzulieferer-Sparte als auch des Industriewälzlager-Geschäfts – soll auf die Continental AG übertragen werden. Damit hätte der Hannoveraner Konzern die operative Führung. Dabei dürften die Gläubigerbanken Haupteigner des gemeinsamen Konzerns werden. Schaeffler und Conti stehen mit jeweils elf Milliarden Euro bei den Banken in der Kreide.

Conti-Chef Karl-Thomas Neumann zeigte sich zuversichtlich, dass ein Zusammenschluss gelingen könne. Einige Bereiche von Schaeffler und Conti passten gut zusammen, sagte er. Das Industriegeschäft von Schaeffler würde zudem neben der Gummi-Sparte von Conti dem neuen Firmengebilde die notwendige Balance geben.

"Wir werden jetzt zielstrebig und ergebnisoffen prüfen, ob eine Zusammenführung der beiden Unternehmen unter Wahrung des Kapitalmarktzugangs für unsere Kreditgeber und Anteilseigner tragfähig und Wert steigernd ist", sagte Neumann. Damit deutet sich an, dass der Zusammenschluss unter Conti-Führung vollzogen werden soll, denn Schaeffler ist nicht börsennotiert.