Montag, 8. Juni 2009
Tschaka! Du schaffst es!

Stephan ist in Topform. Manchmal wacht er morgens auf, zieht die Siebenmeilenstiefel an und hat so richtig Bock, was zu reißen. Peng! Heute schießt er den Vogel ab: Er schnappt sich ein Buch und ein Telefon, zitiert, telefoniert und rezitiert. Fünf Seiten sind heute das Minimum. Eigentlich könnte er die ganze Arbeit an einem Tag zu Ende schreiben. Ein Klacks! Woher kommt dieser plötzliche Motivationsschub? Ein gutes Frühstück motiviert ihn. Musik motiviert. Regen. Sonnenschein auch. Die dicken Bücher! Alles motiviert.

Es gibt so Tage. Heute ist Stephan so motiviert, er könnte neben seiner eigenen auch noch eine zweite Bachelor-Arbeit schreiben. Oder gleich einen Roman.

Stephan ist intrinsisch UND extrinsisch motiviert, also sowohl von inneren als auch von äußeren Einflüssen angetrieben. Das hat er in der Vorlesung "Lerntechniken" im zweiten Semester gelernt. Und wie um sich das selbst noch einmal zu beweisen, schreibt er nicht nur seinem Erst-, nein auch seinem Zweitprüfer eine E-Mail und macht Termine für Sprechstunden aus. Dann ab in die virtuelle Hochschulbibliothek und zwei Fernleih-Bücher bestellen. Die drei Euro sind gut investiert. Es gibt viel zu tun. Es läuft. Alles fließt.

Bachelor-Faktor (Skala von 1 bis 10): Go! Go! Go!
Seitenzahl:  gefühlte 789 Seiten

Mittwoch 10. Juni 2009
Fremdgehen

Lene und Stephan sind eigentlich ganz treue Zeitgenossen, doch hin und wieder gehen die beiden ihren Bachelor-Arbeiten fremd – gezwungenermaßen. Denn es ist nicht nur aufgrund von Lenes Erkrankung nicht möglich, sich ausschließlich auf das Schreiben zu fokussieren. Wieso? Nur noch bis zum 31. August sind die beiden offiziell Studenten. Denn dann ist das Sommersemester zu Ende und die zwei hoffentlich Bachelors of Arts. Neben Fragen wie: "Wann gebe ich den Antrag strategisch geschickt ab?", "Welchen endgültigen Titel soll das Werk haben?" und "Wer liest es Korrektur?", gilt es Fristen einzuhalten, Motivationsschreiben zu verfassen und sich einen Überblick über den Master-Markt Deutschlands zu verschaffen. Die Wohnungen wollen nicht nur geputzt, sondern auch gekündigt werden, ein Nachmieter muss her und Bewerbungen müssen weg. Außerdem warten noch zwei einfache Hausarbeiten auf ihre Fertigstellung.

Lene-Lotte und Stephan fahren siebengleisig. Und wenn sie das Bachelor-Arbeit-Dokument mal drei Tage nicht geöffnet haben, dann haben sie "ihrem Baby" gegenüber fast schon ein schlechtes Gewissen. Das fühlt sich ein bisschen an wie Fremdgehen.