Das Angebot, das Jürgen Vielmeier, Chefblogger von freshzweinull.de, vor Kurzem in seinen E-Mails fand, klang harmlos: "Linktausch gegen 20 Euro Amazon-Gutschein" lautete der Betreff. Der Schreiber kam schnell zur Sache. "Berichte über unsere Seite und Du erhältst einen Amazon-Gutschein." Als Vielmeier den Absender darauf hinweist, dass er von solchen Anfragen nichts hält, aber gerne bereit ist, Werbung für die Seite zu schalten, erhält er eine eindeutige Antwort: "Bannerwerbung wollen wir grundsätzlich nicht betreiben! Es geht uns hauptsächlich um dezente Werbung, die nicht als solche erkennbar ist!"

"Dezent" ist dabei lediglich die Umschreibung für das hässliche, aber viel treffendere Wort Schleichwerbung. Von dieser gibt es viel im Netz, wie viel weiß niemand genau. Wer sich für Links oder positive Produktbesprechungen bezahlen lässt, behält das lieber für sich. Nicht nur das virtuelle Ansehen kann bei Enttarnung dauerhaften Schaden nehmen, auch Suchmaschinenbetreiber reagieren empfindlich auf Manipulationsversuche. Wer erwischt wird, findet sich schnell auf den hinteren Seiten der Suchergebnisse wieder, wo nur noch wenige Nutzer vorbeisurfen.

Genug Webseitenbetreiber gehen das Risiko trotzdem ein. "Links und positive Erwähnungen sind immer noch das beste Mittel, um eine Website kurz- und langfristig erfolgreich in Suchmaschinen nach ganz oben zu bringen", sagt Gerno Thieleke, Suchmaschinenoptimierer aus Hamburg. Je öfter eine Seite verlinkt wird, desto höher wird sie im Ranking eingestuft. Die wiederum bringt Besucherströme und so mehr Geld.

Längst gibt es spezialisierte Agenturen die versuchen, Blogger und Seitenbetreiber mit Angeboten wie "20 Euro für einen Link" einzukaufen. Ein Markt, der sich zunehmend professionalisiert.

"Wir verdienen am Tag gerade mal zehn Euro mit herkömmlicher Werbung und Partnerprogrammen", sagt Jürgen Vielmeier. "Wenn wir Links verkaufen würden oder bestellte Texte veröffentlichen, könnten wir ein Vielfaches davon einnehmen. So mancher im Team könnte dann nachts erheblich ruhiger schlafen." Doch Vielmeier könnte nicht schlafen, wenn er den Gewinn mit solchen Tricks erwirtschaften würde. Er sieht sich journalistischen Prinzipien verpflichtet, heimliche Werbung kommt für ihn nicht infrage. "Wer bei uns Anzeigen schalten will, ist hoch willkommen. Doch wir werden diese immer als Werbung kennzeichnen."

Das unmoralische Angebot an freshzweinull.de ist kein Einzelfall. Als Vielmeier darüber in seinem Blog schrieb, meldeten sich sofort andere Blogger, die ähnliche Erfahrungen gemacht hatten.

Nicht immer sind es journalistische Bedenken, die Blogger davon abhalten, solche Angebote anzunehmen. Manche fürchten vor allem um ihren Ruf in der Szene. "Die Mails kamen von merkwürdigen E-Mail-Adressen und wollten auf eher unseriöse Seiten verlinken. Mit so etwas wollen wir nicht in Verbindung gebracht werden", sagt Jochen Siegle, einer der Betreiber des Technikblogs techfieber.de. Mit bezahlten Links auf seriöse Seiten hat er keine Probleme – solange sie als solche erkennbar sind. "Das wichtigste im Netz ist, dass man transparent arbeitet und somit glaubwürdig bleibt."