Der "Straßburger Freitag" ist zum Synonym geworden für unverschämte Spesen-Abzocke durch Europaparlamentarier. Das Statut des Europäischen Parlaments garantiert den Abgeordneten zusätzlich zu ihren Diäten 298 Euro Tagegeld bei Reisen, die sie aus Arbeitsgründen unternehmen. Dazu gehören auch die Sitzungen im französischen Straßburg, wohin das Parlament zwölf Mal pro Jahr für jeweils eine Woche lang zieht.

Tatsächlich dauern aber die Wochen in Straßburg zumeist nur vier Tage, der Freitag ist für die allermeisten Parlamentarier bereits Heimreisetag. Wer für ihn noch das Tagegeld einstreichen möchte, muss sich bei der Verwaltung des Parlaments in eine Präsenzliste eintragen.

Im Jahr 2004 spürte der österreichische EU-Abgeordnete Hans-Peter Martin zusammen mit einem Team von stern TV jenen Spesenrittern nach, die bereits mit gepackten Koffern ihre Unterschrift leisteten, um sich direkt danach aus Straßburg zu verabschieden. Seitdem, so schreibt Martin in seinem neuen Buch Die Europafalle, "unterschreiben nach Mitteilung der Parlamentsverwaltung im Schnitt noch 72 Abgeordnete an einem Straßburger Freitag, allerdings bei einer von 626 auf 785 gestiegenen Mitgliederzahl".

Der öffentliche Druck zeigte also Wirkung.

Nicht geändert jedoch hat sich die Praxis der Pauschalabrechnungen für Bürokosten. Pro Monat bezieht weiterhin jeder EU-Abgeordnete über 4000 Euro, mit denen er laut Parlamentsverwaltung Büro-Mieten im Wahlkreis, Managementkosten, Telefon- und Postgebühren und Computer bezahlen können soll.

Im Zeitalter der elektronischen Datenverarbeitung fragt man sich allerdings, womit solche Pauschalbeträge noch gerechtfertigt sind. Warum bekommen die Parlamentarier nicht exakt die Kosten erstattet, die tatsächlich anfallen?

Die Brüsseler Büro-Leiterin der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International, Jana Mittermaier, kritisiert die anhaltende Praxis des Europaparlaments in dieser Frage. Sie hält diese Art der Abrechnung für unzeitgemäß.

Erzeugen auch wir also ein wenig Druck – mit einem Video-Interview mit Jana Mittermaier vor dem Gebäude des Europaparlaments in Brüssel.