Der kalifornische Internetkonzern Google hat sich zu einem Kompromiss mit dem deutschen Datenschutz durchgerungen. Für seinen Dienst "Street View" schickt der Suchmaschinen-Spezialist seit einiger Zeit mit 360-Grad-Kameras ausgestattete Autos durch die Lande. Mit den aufgenommenen Bildern will Google seinen Kartendienst "Maps" erweitern, sodass der Nutzer am Computer-Bildschirm virtuelle Streifzüge durch die Straßen einer Stadt unternehmen kann.

Googles Kamera-Autos lösten jedoch teils heftige Proteste aus. Zuletzt fuhren die Kamera-Autos durch Schleswig-Holstein, wo zahlreiche Beschwerden beim zuständigen Landesamt für Datenschutz eingingen. "Die aktuellen Erfassungen von Google wie auch von etwaigen anderen Anbietern von Straßenansichten, die die rechtlichen Anforderungen nicht beachten, werden vom ULD nicht gebilligt", heißt es in einer Stellungnahme des ULD. "Mit den Kameras werden dem Sichtschutz dienende Zäune und Hecken überwunden; dieses Eindringen in eine geschützte Sphäre kann sogar strafrechtlich relevant sein."

Die Verhandlungen mit den Datenschützern sind jetzt zu einem Ergebnis gelangt. Google wird über einen Link im Internet eine einfache Widerspruchsmöglichkeit anbieten. Sobald eine Beschwerde über das Formular den Konzern erreicht, wird das Unternehmen Menschen, Autos und Grundstücke unkenntlich machen oder löschen. Diese Veränderungen werden direkt an den Rohdaten vorgenommen, also am unbearbeitetem Filmmaterial. Damit kann niemand mehr die ursprünglich gefilmten Motive rekonstruieren.

Eine Forderung, gegen die sich der Konzern lange gesträubt hatte. Bisherige Versionen von "Street View" machen Nummernschilder und Gesichter nur auf den veröffentlichten Bildern unkenntlich, nicht aber in der Rohdatenbank. Doch das Zugeständnis, das Google machte, ist weltweit einmalig. Keinem anderen Land sonst hat der Konzern Änderungen an Rohdaten zugesagt. Nun stehe einem Start des neuen Dienstes in Deutschland noch in diesem Jahr nichts mehr im Wege, erklärte Google-Deutschland-Sprecher Kay Oberbeck.

Ende vergangener Woche war Google bereits den Forderungen europäischer Datenschützer entgegengekommen: Das Unternehmen will künftig in Europa öffentlich die Routen der Kamera-Autos ankündigen, bevor sie in einer Gegend ihren Einsatz beginnen.