Nach Berichten des britischen Senders BBC und von Oppositionsvertretern soll unter den Festgenommenen auch der Bruder von früheren Präsident Mohammed Chatami sein. Chatami hatte dem Reformkandidaten Mir Hussein Mussawi unterstützt.

Den festgenommenen Anhängern von Mussawi wird von der Regierung vorgeworfen, für die schweren Ausschreitungen nach der offiziellen Bekanntgabe des Wahlsiegs von Amtsinhaber Mahmud Ahmadineschad verantwortlich zu sein.

Der führende Oppositionelle Mohammad Ali Abtahi sagte am Sonntag, die Betroffenen seien in der Nacht aus ihren Wohnungen abgeführt worden. Es sei mit weiteren Verhaftungen zu rechnen.

Wo sich Mussawi aufhielt, war am Sonntagmorgen unklar. Es wurde jedoch angenommen, dass er nicht unter den Festgenommenen ist. Der frühere Ministerpräsident hatte seine Anhänger aufgerufen, friedlich zu demonstrieren.

Nach Angaben des Innenministerium hat Ahmadineschad die Präsidentenwahl klar 62,6 Prozent der Stimmen gewonnen. Auf seinen schärfsten Konkurrenten Mussawi entfielen danach nur 33,8 Prozent. Mussawi sprach jedoch von Unregelmäßigkeiten und erklärte sich selber zum wahren Sieger der Wahl.

Aus Protest gegen den vermuteten Wahlbetrug waren Tausende Anhänger Mussawis am Samstag in Teheran auf die Straße gegangen und hatten sich Straßenschlachten mit der Polizei geliefert. Beobachter sprachen von den heftigsten Krawallen seit den Studentenunruhen 1999. Die Polizei setzte Knüppel und Tränengas ein, Demonstranten warfen Steine und steckten Fahrzeuge, Mülltonnen und Reifen in Brand. Es gab mehrere Verletzte.

Beobachter sprechen von einer "explosiven Situation" in Teheran, da am Abend auch das Mobilfunknetz abgeschaltet worden war. Zuvor war schon das SMS-Netz gekappt worden. Zusätzlich drohte im Iran am Sonntag auch die vollständige Stilllegung aller Internet-Verbindungen. Damit versucht die iranische Führung offensichtlich, die Kommunikation unter den Oppositionsanhängern zu verhindern. Mussawi hatte in seinem Wahlkampf vor allem SMS und Mails genutzt, um Unterstützer zu werben.