Nach Angaben von Augenzeugen versammelten sich auch am Sonntaq Unterstützer des Reformers Hussein Mussawi, um gegen den angeblichen hohen Wahlsieg von Amtsinhaber Mahmud Ahmandineschad zu protestieren. Sie skandierten "Tod dem Diktator" und "Wir wollen unsere Stimmen zurück". Die Demonstranten beschuldigten wie schon gestern die Behörden, die Wahlen manipuliert zu haben.

Ein Mitarbeiter des US-Nachrichtensenders CNN in Teheran berichtete, er habe gesehen, wie Ahmadinedschad-Anhänger mit Motorrädern Jagd auf oppositionelle Demonstranten machten. Sie seien mit Metallstangen bewaffnet, sagte der Journalist. Er habe auch Schüsse gehört, sagte der CNN-Mitarbeiter.

Bereits am Samstag war es in Teheran zu starken Auseinandersetzungen und Straßenschlachten zwischen Mussawi-Anhängern und der Polizei gekommen. Beobachter sprachen von heftigsten Protesten seit mindestens zehn Jahren. Mehrere Demonstranten sollen verletzt worden sein. Wegen einer Nachrichtensperre gab es zunächst keine weiteren Informationen.

Nach Angaben der Polizei wurden seit Beginn der Demonstrationen 60 Menschen festgenommen, 50 Demonstranten und zehn Organisatoren. Weitere Festnahmen würden folgen, warnte der stellvertretende Polizeichef Ahmad Radan.

Oppositionelle und der britische Sender BBC sprachen sogar von rund 100 Festnahmen. Die Oppositionellen, darunter auch ein Bruder des früheren Reform-Präsidenten Chatami, seien in der Nacht aus ihren Wohnungen geholt worden.

Unterdessen versammelten sich Zehntausende Anhänger Ahmadineschads zu einer zentralen Siegesfeier in Teheran. Der konservative Präsident verteidigte vor der Versammlung die Wahl als fair und gerecht verteidigt. Er wies erneut Vorwürfe der Wahlfälschung zurück. Im Gegensatz zu anderen Ländern, wo nur zwei oder drei Parteien das Sagen hätten, gebe es im Iran eine echte Demokratie.

Zuvor hatte Ahmadineschad bereits Kritik der Opposition am Ablauf der Wahl und der Auszählung von sich gewiesen. Er habe die Wahl klar gewonnen. Der Präsident kritisierte ausländische Medien für ihre Berichterstattung vor und während der Wahl warf ihnen vor, eigenen Ziele verfolgt zu haben. Das ändere aber nichts daran, dass die große Mehrheit der Iraner ihn am Freitag wiedergewählt habe.