Wer nach dem Wahlsieg des iranischen Präsidenten Achmadineschad die amerikanischen Bemühungen um ein neues Verhältnis zur Islamischen Republik für gescheitert erklärt, hat nichts verstanden. Denn der entscheidende Test für diese Bemühungen liegt vorerst nicht in Teheran, er liegt in Washington.

Natürlich ist die Enttäuschung über den Wahlausgang groß, vor allem bei den vielen Menschen in Iran selbst, die von Achmadineschads Gegner Mussawi einen anderen Stil in der iranischen Innen- und  Außenpolitik erhofft hatten. Ob es bei der Stimmenauszählung dieser Wahl, die schon im vorhinein auf den Wettstreit zwischen dem Regime genehmen Kandidaten beschränkt war, erhebliche Unregelmäßigkeiten gab, wird sich kaum beweisen lassen. Aber die entscheidenden politischen Kräfte in der Führung des Landes hätten den Sieg eines wirklichen Reformers ohnehin zu verhindern gewusst; auf etwas anderes zu hoffen, war schlicht naiv.

Denn Wahlen sind in der Islamischen Republik Iran nicht Mittel zu verträglichem Machtwechsel, sondern Manifestationen zur Bestätigung des Regimes. Der oberste geistliche und politische Führer Ayatollah Chamenei bezieht seine Legitimation nicht aus demokratischer Abstimmung, sondern aus göttlicher Erwählung. Er, nicht der Präsident, wie immer er heißt, hat bei allen wichtigen Entscheidungen das maßgebliche Wort. In der hohen, 80-prozentigen Wahlbeteiligung, nicht im Ausgang der Wahl, sah deshalb Chamenei daher in seiner ersten Stellungnahme vor allem eine Anerkennung der Legitimität des Regimes; eine "Bekräftigung für den weiteren Fortschritt des Landes und die Aufrechterhaltung der nationalen Sicherheit."

Wenn der amerikanischen Präsident Barack Obama nun den längst überfälligen Versuch unternehmen will, mit Iran zu einem neuen Verhältnis zu  gelangen, muss er mit diesem Regime sprechen – wer immer es repräsentiert. Das wäre mit einem vermeintlich verbindlicheren Mussawi womöglich sogar noch schwieriger geworden, weil der jeden Verdacht eilfertiger Kompromissbereitschaft  hätte vermeiden müssen, als mit dem polternden, als Hardliner ausgewiesenen Achmadineschad. Vor allem aber muss Obama glaubhaft machen, dass es ihm mit der Suche nach einem Neuanfang wirklich ernst ist.

Wegen des tiefen Misstrauens, mit dem die Führung in Teheran die USA betrachtet, ist diese Glaubwürdigkeit nur mit großer Entschlossenheit und Geduld  zu erreichen. Wahrscheinlich hat die Entspannungsinitiative Obamas dieses Misstrauen sogar noch erhöht, weil das Regime von dem Fortfall des bequemen Feindbildes vom "Großen Satan Amerika" eine Schwächung des Rückhalts im eigenen Lande befürchtet.