Der Vorwurf des Wahlbetrugs eint die Anhänger des gemäßigt-konservativen Hussein Mussawi, der am Samstag bei den Präsidentschaftswahlen gegen Ahmadinedschad verlor. Das Innenministerium hatte Ahmadinedschad am Vortag mit über 62 Prozent der Stimmen zum Sieger erklärt. In den Straßenzügen Teherans liefern sich die Demonstranten seitdem Hetzjagden mit der Polizei, während die Behörden offenbar Internet, Mobiltelefon-Netz und TV-Satelliten stark eingeschränkt oder gar gänzlich abgeschalten haben.

Mussawi hat nun den Wächterrat aufgefordert, die Wahl zu annulieren. Der Wächterrat ist ein zwölfköpfiges Gremium aus Geistlichen und Juristen, die über ein umfangreiches Mitspracherecht in Regierungsangelegenheiten verfügen. Präsident Ahmadinedschad wandte sich währenddessen an seine Anhänger. Bei einer Siegesfeier hat er die Wahl als fair und gerecht verteidigt und den Westen attackiert: Im Ausland würden die Politiker sogar Homosexuelle und anderen "Bodensatz" umwerben, um "ein paar Prozent" mehr Stimmen zu bekommen.