Extremisten haben im Jemen zwei deutsche Pflegehelferinnen und eine koreanische Lehrerin getötet, die in einem Krankenhaus beschäftigt waren. Die drei getöteten Frauen waren am vergangenen Freitag gemeinsam mit sechs weiteren Ausländern nördlich der Hauptstadt Sanaa entführt worden.

Was weiß man über die Verschwundenen?

Nach früheren Angaben handelt es sich um ein deutsches Ehepaar, das in einem Krankenhaus in Saada beschäftigt war, sowie deren drei Kinder. Mit ihnen waren die beiden Pflegehelferinnen, die Südkoreanerin und ein Brite verschleppt worden. Die Ausländer arbeiteten demnach für die niederländische Hilfsorganisation Worldwide Services. Das jemenitische
Innenministerium teilte mit, die Ausländer seien während eines Picknicks in Saada verschleppt worden.

Wer kommt als Entführer infrage?

Die jemenitischen Behörden erklärten am Sonntag, Mitglieder der schiitischen Rebellenorganisation Huthi Saidi hätten die Ausländer entführt. Seit fünf Jahren kämpfen die Huthis im Norden des Jemen gegen Soldaten der Regierung, die ihnen vorwirft, einen schiitischen Gottesstaat gründen zu wollen. Bei Kämpfen wurden in Saada seitdem Tausende Menschen getötet. Im vergangenen Jahr wurde ein Waffenstillstand vereinbart, der aber als brüchig gilt. Ein Sprecher der
Huthi bestritt jedoch die Verantwortung für die Tat und sprach von einer "Schmutzkampagne" der Regierung.

Besorgniserregend sei bei der Entführung, dass sie im Bürgerkriegsgebiet im Norden stattgefunden habe, sagte Guido
Steinberg, Nahost-Experte der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP). Das sei eine ganz andere Region als diejenige, in der sich bereits eine Art Entführungsindustrie entwickelt habe. Die Gruppe wurde in Saada verschleppt, einer Hochburg der schiitischen Aufständischen. Die Mehrheit der muslimischen Bevölkerung gehört der sunnitischen Glaubensrichtung an. In einer solch angespannten Konfliktsituation hätten die Geiselnehmer oft nicht die Ruhe, über eine Freilassung zu verhandeln, sagt Steinberg.

Allerdings geht der SWP-Experte nicht davon aus, dass die Rebellen verantwortlich sind. "Das sind normale Aufständische, keine Islamisten oder Dschihadisten. Bei ihnen ist es bereits schwer vorstellbar, dass sie Geiseln nehmen, geschweige denn diese ermorden, und schon gar keine Frauen oder sogar Kinder." Die Regierung versuche wahrscheinlich, mit ihrer Schuldzuweisung dem Westen klarzumachen, dass sie ein Terrorproblem habe. Ein Stammesführer in der Region machte das Terrornetzwerk al-Qaida verantwortlich.

Das Gebiet im Jemen, in dem die ermordeten Frauen gefunden wurden

Welche Rolle spielt al-Qaida im Jemen?

In dem südarabischen Land gibt es zwar Al-Qaida-Terrorzellen, die schon mehrfach Ausländer getötet hatten. Auch hat ein Teil der Familie von Osama Bin Laden, der Anführer des Terrornetzwerks, Wurzeln im Jemen. In der mehrheitlich von Schiiten bewohnten Provinz Saada gab es allerdings bislang keine bekannte Präsenz der sunnitischen Terrorgruppe. Der Ort, an dem die Leichen gefunden wurden, liegt jedoch nicht weit von der Jawf-Region entfernt, in der Al-Qaida-Terroristen bereits untergetaucht waren.