Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Saba gehören die Geiselnehmer zur schiitischen Rebellengruppe von Abdulmalik al-Houthi. Aus Rebellenkreisen hieß es jedoch, die Gruppe habe mit der Geiselnahme
nichts zu tun.

Die Ausländer sollen laut Saba am Freitag in der nordwestlichen Provinz Saada verschleppt worden sein. Bei den Deutschen handele es sich um einen Ingenieur, seine Ehefrau und ihre drei Kinder sowie zwei Krankenschwestern. Der Deutsche soll an einem Krankenhaus in Saada, 240 Kilometer nordwestlich der Hauptstadt, beschäftigt sein.

Ärzte und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen sind die einzigen Ausländer, die Zugang zur Provinz Saada haben, in der sich die Regierungstruppen seit Jahren immer wieder Gefechte mit den Houthi-Rebellen liefern. Die Bundesregierung hat weiterhin keine Klarheit über das Schicksal der im Jemen verschwundenen Ausländer. "Es gibt keinen neuen Stand", sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Die deutsche Botschaft in dem Land bemühe sich um Klärung des Falles und stehe in Kontakt mit den jemenitischen Behörden, hatte er schon am Samstagabend erklärt.

Am vergangenen Donnerstag hatten Entführer auf der Straße von der Hauptstadt Sanaa nach Saada bereits einen Bus mit 22 Menschen in ihre Gewalt gebracht, darunter 14 ausländische Mitarbeiter eines der Krankenhäuser von Saada. Die 14 Ärzte und Pfleger aus Indien, Ägypten, dem Sudan und den Philippinen und ihre Familienangehörigen kamen am Freitag wieder frei.

Es ist bereits die fünfte Entführung von Ausländern im Jemen in diesem Jahr. Meist werden Ausländer von Stammesangehörigen verschleppt, die dadurch gegenüber der Regierung Forderungen durchsetzen wollen. Die Houthi-Rebellen waren bislang nicht als Geiselnehmer in Erscheinung getreten. Die jemenitische Regierung verhindert eine unabhängige Berichterstattung über den bewaffneten Konflikt in Saada.