Im Herbst hätten Anita G. und Rita S. ihre Ausbildung beenden sollen. Seit bald drei Jahren studierten die beiden 24 und 26 Jahre alten Christinnen zusammen mit etwa 160 anderen Schülerinnen und Schülern an der kleinen Bibelschule Brake in Lemgo (Ostwestfalen) mit dem Berufsziel Sozialdiakonin. Als Ort eines ihrer Praktika im Rahmen der Ausbildung hatten sich die beiden jungen Frauen ausgerechnet den Jemen gewählt. Das wurde ihnen jetzt zum Verhängnis. Mit einer Frau aus Südkorea zusammen wurden sie verschleppt und ermordet. Das Schicksal der anderen offenbar mit ihnen entführten deutschen Familie und einem britischen Ingenieur ist noch ungeklärt.

Auf einem Foto, das im Internet zu finden ist, lächelt Anita G. ein glückliches Jungmädchenlächeln. Rita. S. präsentiert sich auf einem Bild mit einem skeptischen Blick. Er habe Anita G. und Rita S. als "lebendig, motiviert und zukunftsorientiert" erlebt, erzählt einer ihrer Lehrer am Dienstag, als klar wird, dass seine Schülerinnen nicht mehr wiederkommen werden.

Ihr christliches Engagement, das auch in Nachrufen vieler Freunde und Freundinnen zum Ausdruck kommt, hat sie in das arme Land geführt. Dort wollten sie sich, so schreibt ein Freund im Internet, "in einer von Krisen geschüttelten Region als Krankenschwestern für die Armen und Verlassenen einsetzen". Auf der persönlichen Seite bei StudiVZ trauern Freunde von Rita S. um eine, die offenbar stark in ihrem Glauben gelebt hat. Die Briefe an die da schon Getötete bringen den Glauben an ein Leben nach dem Tod zum Ausdruck. "Wir sehen uns dort wo unser Zuhause ist", schreibt einer. Das Lieblingszitat von Rita G. war: "Ohne Jesus kannste alles haken". Ihre Interessen waren "Alles für den Herrn und Kunstturnen".

"Wir verlieren mit Anita G. und Rita S. zwei engagierte Studentinnen, die mit ihrer Liebe zu Gott und zu den Menschen ein Vorbild waren", heißt es auf der Homepage der Schule. Die evangelikale Ausbildungsstätte hat keine organisatorische Verbindung zur evangelischen Landeskirche. Die Bibelschule Brake ist Mitglied der Konferenz Bibeltreuer Ausbildungsstätten und im Ring Missionarischer Jugendbewegungen. Ob die Verschleppung und Ermordung der Deutschen in Zusammenhang mit ihrem sozialen, womöglich auch missionarischen Einsatz stehen, oder ob die Gruppe explizit als Deutsche das Ziel eines islamistischen Angriffs waren oder ob die Entführer andere Motive haben, bleibt offen.