Wie schmiede ich eine kreative, effektive Arbeitsgruppe? Das Lehrbuch rät: Man muss Gruppen so zusammenstellen, dass die Fähigkeiten und Kenntnisse ihrer Mitglieder sich ergänzen; man braucht kompetente Leute, klare Ziele und eindeutige Regeln. Doch die Praxis ist komplizierter.

Die meisten Projektleiter mögen homogene Teams, kritisiert der bekannte Schweizer Kommunikationsberater Marcus Knill, und sie bevorzugen Menschen, die ihnen angenehm sind. Die Folge: "Journalisten meiden Kritiker, Lehrer scheuen Besserwisser und wer selbst gerne redet, umgibt sich gern mit Schweigern." Genau das aber ist falsch.

Damit ein Projekt erfolgreich wird, braucht es die ganze Bandbreite der Charaktere. Damit sind Konflikte programmiert. Doch das sei unabdingbarer Teil des Erfolgs, sagt Knill. Richtig integriert, bringen fast alle Typen der Projektarbeit Gewinn: Geschichtenerzähler, Spieler oder Macher. Vorausgesetzt, der Projektleiter kennt ihre Eigenheiten und weiß jeden richtig einzusetzen. Die wichtigsten Charaktere: 

Der Geschichtenerzähler. Es gibt ihn in jeder Gruppe. Der Geschichtenerzähler kennt jeden, weiß alles, hat jedes Problem schon mindestens dreimal gelöst – und lässt keine Gelegenheit aus, dies jedem zu erzählen. Das Problem: Mitunter plaudert er auch außerhalb der Projektgruppe über vermeintlich falsche Lösungsansätze oder Schwächen der Kollegen. Aufgabe des Projektleiters ist es, ihn in die Gruppe zu integrieren. Gelingt dies und fühlt er sich ernst genommen, "verkauft" er nicht nur sich selbst, sondern auch das Projekt. Geschichtenerzähler sind gute Öffentlichkeitsarbeiter.

Der Sprinter ist ein klassischer Macher. Er denkt und handelt schnell. Das Problem: Mitunter ist er zu schnell für seine Kollegen, und vor allem in der Anfangsphase eines Projekts agiert er oft extrem ungeduldig. Doch richtig eingesetzt, ist der Sprinter ein großer Gewinn für das Team. Er krempelt die Ärmel hoch und arbeitet schon, während die anderen sich noch sortieren. Was ihm hilft ist eine klare Struktur. Darin arbeitet er zuverlässig und beweist außerdem ein großes Durchhaltevermögen.

Der Kämpfer ist meist ebenfalls ein Macher, doch er will nicht nur in der Sache vorwärts kommen, sondern auch auf der Karriereleiter. Das Problem: Kommt er nicht zum Zuge, kann er aggressiv reagieren und andere Gruppenmitglieder niederkämpfen. Der Kämpfer braucht viel Anerkennung, aber zugleich muss ihm jemand die Stirn bieten, wenn er anfängt zu stänkern. Er hat gelernt, für seine Sache einzustehen. Gelingt es, das Gesamtprojekt zu seiner Sache zu machen, kümmert er sich engagiert darum und verteidigt es auch nach außen.