Die Formulierung eines gemeinsamen Steuerkonzeptes war der vielleicht größte Brocken, den CDU und CSU auf dem Weg zu einem gemeinsamen Programm für die Bundestagswahl aus dem Weg räumen mussten. Am Sonntagabend wurden nun eine Einigung erzielt: Bei einem Spitzentreffen verständigten sich die Schwesterparteien endgültig darauf, welche Steuergeschenke sie den Wählern im Wahlkampf versprechen wollen.

"Die Union hat sich auf ein gemeinsames Wahlprogramm geeinigt", sagte CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla am Montag im Deutschlandfunk. Es sei kein einziger Streitpunkt übrig geblieben. Lediglich Detailfragen müssten noch geklärt werden. "Wir werden als einzige Volkspartei ein Steuerentlastungsprogramm vorlegen", sagte Pofalla. Endgültig verabschiedet werden soll das Programm am 28. und 29 Juni.

Zu den Kernelementen des geplanten Steuerkonzeptes gehört nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa der Kampf gegen die kalte Progression, also Steuererhöhungen infolge von Lohnzuwächsen, und die Abflachung des sogenannten Mittelstandsbauchs. Gemeint ist damit die überproportionale Belastung relativ niedriger Einkommen im gegenwärtigen Steuersystem.

Insgesamt soll laut dpa eine "Streckung des Tarifverlaufs" erreicht werden. So soll der Eingangssteuersatz von heute 14 Prozent in zwei Schritten auf zwölf Prozent abgesenkt werden. Doch auch die oberen Einkommensgruppen sollen  entlastet werden. Der Betrag, ab dem der Höchststeuersatz von 42 Prozent fällig wird, soll mit einem Zwischenschritt von heute 52.000 Euro auf 60.000 Euro aufgestockt werden. Darüber hinaus sollen Änderungen bei der Erbschaftssteuer in Aussicht gestellt werden.

Ob man in diesem Wahlkampf angesichts der schwersten Wirtschaftskrise der Nachkriegszeit überhaupt Steuersenkungen versprechen sollte, darüber hatte es in den vergangenen Monaten sowohl zwischen CDU und CSU als auch innerhalb der Union immer wieder heftigen Streit gegeben.

Während die CSU, die bereits im vergangenen Jahr ein eigenes Steuerkonzept vorgelegt hatte, sich stets dafür ausgesprochen hatte, trotz der Krise die Steuern zu senken, und dies auch möglichst konkret im Wahlprogramm zu fixieren, hatte es dagegen in der CDU Widerspruch gegeben.

Mehrere Ministerpräsidenten und die Haushaltspolitiker der Unionsfraktion hatten argumentiert, Steuersenkungsversprechen seien derzeit weder glaubwürdig noch verantwortbar. Bevor man darüber reden könne, müssten die Steuereinnahmen wieder das Niveau von 2008 erreichen. Bis 2013 wird nach der aktuellen Prognose der Steuerschätzer jedoch mit Ausfällen von 316 Milliarden Euro für Bund, Länder und Gemeinden gerechnet.