Die Luft riecht modrig nach Salzwasser und Schlick, unter den Füßen quillt weich und glitschig der nasse Sand hervor. Das Meer ist weit entfernt. Bis zum Horizont erstreckt sich nichts als dunkles, feuchtes Watt.

Wenige Stunden zuvor noch vom Meer umspült, wirkt das Wattenmeer bei Ebbe wie eine Mondlandschaft: karg, flach und öd. Doch der flüchtige Blick des Besuchers täuscht: Das Feuchtgebiet vor den Küsten der Nordsee ist ein einzigartiger Lebensraum.

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Die 13.000 Quadratkilometer große Fläche aus Schlick und Sand, das sich von der Ho-Bucht in Dänemark bis zur Insel Texel in den Niederlanden erstreckt, ist ein hoch sensibles Ökosystem. Es umfasst sowohl Dünen, Sandbänke, Priele und Salzwiesen als auch die Inseln des Küstengebietes und beherbergt etwa 10.000 Tier- und Pflanzenarten.

Im Schlick tummeln sich Muscheln und Ruderfußkrebse, Faden- und Strudelwürmer. Das Watt ist die Laichstätte von zahlreichen Meeresfischen wie Scholle und Seezunge und bietet etwa zwölf Millionen Zugvögeln auf ihren Wanderungen Rast- und Brutstätten. Es gilt als eines der letzten verbliebenen natürlichen Großökosysteme in Europa.

Seit mehr als 25 Jahren bereits bemühen sich Deutschland, Dänemark und die Niederlande im Rahmen des Trilateralen Wattenmeerabkommens von 1982 um den Schutz der ungewöhnlichen Wattlandschaft. Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen haben ihre Küstenregionen als Nationalparks ausgewiesen, auch die Niederlande stellten das Watt mit ihrem "Staatsnatuurmonument Waddenzee" unter Naturschutz.

In dieser Woche entscheidet das Welterbe-Komittee der Unesco nun darüber, ob ein großes Areal des Nordsee-Wattenmeeres zudem zum Welterbe ernannt werden soll. Als Welterbe wird nach Angaben der Unesco nur gewürdigt, was als "einzigartiges, unersetzliches Gut von außergewöhnlichem universellem Wert" und "als Eigentum der gesamten Menschheit" betrachtet werden kann. Gleichzeitig müssen die jeweiligen Antragsteller nachweisen, dass sie in der Lage sind, die angemeldete Region auch zu schützen und für zukünftige Generationen zu erhalten.

Derzeit umfasst die Liste dieser Güter 878 Orte in 145 Ländern. In Deutschland gibt es 33 Welterbestätten, die meisten davon zählen zum Kulturerbe wie der Dom zu Speyer oder die Museumsinsel in Berlin. Einzig die Fossilienfundstätte Grube Messel bei Darmstadt wurde in Deutschland bislang zum Naturerbe ernannt – und leistet damit so außergewöhnlichen Naturstätten wie dem australischen Great Barrier Reef oder dem US-amerikanischen Great Canyon Gesellschaft, die ebenfalls in der Liste stehen.