Die im September 2006 von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble (CDU) einberufene Deutsche Islamkonferenz war das erste hochrangige Forum zum Islam in Deutschland. Knapp drei Jahre lang saßen sich im Plenum 15 Vertreter des Staates aus Bund, Ländern und Gemeinden und 15 Muslime gegenüber, die Vertreter von fünf Verbänden und zehn nicht organisierte Muslime.

Sie werden sich an diesem Donnerstag zum vierten und vorerst letzten Mal treffen. Die drei Arbeitsgruppen – zu Wertefragen, Religion und Verfassung, Wirtschaft und Medien – und ein Gesprächskreis "Sicherheit und Islamismus" trafen sich öfter zur Diskussion. Und auf Diskussion war die Deutsche Islamkonferenz (DIK) vom gastgebenden Innenministerium angelegt, "als langfristiger Verhandlungs- und Kommunikationsprozess zwischen dem deutschen Staat und Vertretern der in Deutschland lebenden Muslime".

Was lief schief?

"Im Ergebnis ein Misserfolg", sagt Josef Winkler, Migrationsexperte der Grünen über die Islamkonferenz. Er habe Schritte in Richtung Gleichstellung des Islams mit den Kirchen erwartet, aber dafür sei die Zusammensetzung der Konferenz ungeeignet gewesen.

So weit die Opposition, die naturgemäß zuschlagen muss. Aber auch vom Sinn der DIK überzeugte Mitglieder hörten es dort häufig knirschen. Demokratie wird nun mal in Verfahrensfragen praktisch. Darüber hatte im Fall der DIK das Innenministerium die Hoheit – von der Teilnehmerliste über die Arbeitsgruppenvorsitzenden bis zum Protokoll der Arbeitsergebnisse. Im Frühjahr 2007 wehrten sich die muslimischen Verbände gegen das, was der Leiter der Arbeitsgruppe 1 "Deutsche Gesellschaftsordnung und Wertekonsens" ihnen aufgeschrieben hatte.

Und auch Nichtmuslime erkannten manchmal die Debatten nicht wieder, an denen sie teilgenommen hatten. Sabine Schiffer, Leiterin des Erlanger Instituts für Medienverantwortung und Mitglied der Medien-Arbeitsgruppe, vermisst auch im offiziellen Beitrag ihrer AG für das Plenum am Donnerstag wesentliche Arbeitsergebnisse. Man habe zum Beispiel festgestellt, dass muslimische Verbände nicht gegen stereotype Berichterstattung ankämen und die Forderung nach mehr professioneller Pressearbeit ohne zusätzliche Mittel ins Leere gehe. "Es handelt sich wohl eher um einen Text für die eigene Öffentlichkeitsarbeit als um ein realistisches Protokoll", sagt Schiffer.

Wo gab es Krach?

Am meisten wohl unter den Muslimen selbst. "Es zeigte sich, dass auf Seiten der Muslime teilweise völlig gegensätzliche Positionen aufeinandertrafen", sagt der Frankfurter Entwicklungsexperte Nassir Djafari, der als nichtorganisierter Muslim dabei war. Das war vorauszusehen: Unter dem Etikett Muslime hatte die Regie des Innenministeriums Konservative und Progressive, Fromme und Kulturmuslime, ja sogar eine fundamentale Islamkritikerin wie die Soziologin Necla Kelek zusammengebracht.