"Männer sind Schweine. Sie wollen alle nur das eine. Weil Männer eben so sind." Das ist mal eine Ansage. Nicht so wie bei Grönemeyer, der zögerlich fragt, wann ein Mann ein Mann ist. Ob Ärzte oder Grönemeyer – in beiden Songtexten steckt ein Stück Wahrheit. Männer sind im Aufbruch und sie werden mit allerlei Unheil assoziiert. Gewalt, Gefühllosigkeit, Männer werden mit allerhand negativen Eigenschaften belegt.

Andere Bilder wie die so genannte Metrosexualität des modernen Mannes sind jedoch nicht nur Modephänomene. In den vergangenen 30 Jahren hat sich das Rollenbild der Frau gewandelt. Nun sind die Männer an der Reihe. Denn, so erklärt Sebastian Scheele, wissenschaftlicher Mitarbeiter am GenderKompetenzZentrum an der Humboldt-Universität Berlin: "Männlichkeit ist immer relational zu Weiblichkeit und wird bestimmt davon, was für Weiblichkeit gehalten wird." Und so gibt es, vor allem in urbanen Milieus, immer mehr Männer, die sich mit sich selbst und ihrem Rollenbild auseinandersetzen.

Sie tun es nicht nur, weil ihre Frauen es von ihnen verlangen. Scheele erklärt, dass noch immer vor allem als männlich gilt, wenn ein Mann seine Familie ernährt, bis zur Erschöpfung arbeitet, Leistung bringt. Das Ergebnis dieser Männernorm: Männer achten weniger auf die Signale ihres Körpers, powern sich aus. Und sterben früher. Das belegen auch Zeitbudgetstudien des Statistischen Bundesamtes. Grund genug, sich zu ändern.

Genau da setzt die Männerbewegung an. Ein Teil der Szene ist antifeministisch, fühlt sich benachteiligt und will die Familienernährernorm um jeden Preis aufrechterhalten. Die Männer, die diese Haltung einnehmen, wollen dafür auch Dankbarkeit spüren.

Außerdem gibt es Männergruppen, die nach sich selbst suchen, eine Art "Urmännlichkeit" propagieren, wie Sebastian Scheele augenzwinkernd bemerkt. Christian Führholz ist so einer. Er ist begeistert von seiner Gruppe, in der 25- bis 55-jährige Männer den Sinn des Lebens suchen. Wie? "Wir veranstalten Camps in der Natur, hacken Holz, zelten, versorgen uns selbst. Da dürfen wir mal wieder richtig Mann sein." Man kann sich den schmächtigen Führholz kaum als Holz hackenden Macho vorstellen. Er lacht selbst darüber: "Das ist ein Spiel, ist doch klar. Wir unterhalten uns auch sehr viel, zum Beispiel darüber, wie man beim Chef Elternzeit durchboxt. Aber Sie müssen schon zugeben, einen Mann, der nicht auch eine wilde Seite hat, finden Sie nicht attraktiv."

Und das ist der Knackpunkt. Schwache Männer? Die will keine haben. Es ist zwar ein Klischee, dass Frauen auf selbstbewusste, starke Männer stehen. Das Problem ist bloß: Ein bisschen was dran ist da schon. Umso schwieriger gestaltet sich dann die Suche nach dem neuen Mann: Gefühle soll er zeigen, weniger arbeiten, sich um die Kinder kümmern. Aber irgendwie auch stark sein. Wie soll denn das bloß funktionieren?

Die Lösung lautet "positive Männlichkeit". Ein weiterer Ansatz der Männerbewegung, der gegen das Familienernährermodell mit all seinen Auswirkungen gerichtet ist. Klaus Schwerma ist Sozialwissenschaftler, arbeitet als Männer- und Geschlechterforscher. Zusammen mit dem Psychologen und Männerberater Andreas Goosses setzt er sich für eine emanzipatorische Männerpolitik ein.