Ein Zurückfallen Afghanistans an die Taliban habe Terror für die Welt zufolge, sagte Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) der tageszeitung (taz). Die Bundeswehr sorge deshalb auch unmittelbar für die Sicherheit der deutschen Bevölkerung. Trotz der jüngsten Ereignisse, bei denen Soldaten ums Leben kamen, betonte er, dass die Bundeswehr hier schon viel erreicht habe.

SPD-Fraktionschef und frühere Verteidigungsminister Peter Struck sagte im Nachrichtenmagazin Der Spiegel: "Ich habe in Kundus schon mit den Taliban gesprochen, wir müssen alle einbeziehen - jedenfalls die gemäßigten Taliban". Ausschließen würde er allerdings Gespräche mit Leuten wie dem untergetauchten Taliban-Führer Mullah Omar. "Ich habe mir seinen Lebenslauf angesehen. Das ist ein Massenmörder." Auch das Nachbarland Afghanistans, Pakistan, müsse eingebunden werden. Struck stellte den weiteren Einsatz am Hindukusch nicht infrage. "Ich sehe keinen Grund, jetzt aufzugeben und zu sagen: Es tut mir leid, die über 30 deutschen Soldaten sind leider umsonst gestorben, wir gehen raus." Bis zum Abzug könne es noch zehn Jahre dauern.

Am vergangenen Dienstag waren drei Soldaten aus Ostdeutschland nach einem Schusswechsel mit den Taliban ums Leben gekommen. Für sie wird es am kommenden Donnerstag im Beisein von Verteidigungsminister Jung im thüringischen Bad Salzungen eine zentrale Trauerfeier geben. Die Soldaten des Feldlagers nahmen in Kundus im Rahmen einer Trauerzeremonie bereits Abschied von ihren gefallenen Kameraden, teilte die Bundeswehr mit. Anschließend wurden die drei Särge zum Flughafen Kundus gebracht, von wo sie über Termez (Usbekistan) nach Deutschland geflogen wurden. Mit dem jüngsten Vorfall sind bislang 35 deutsche Soldaten in Afghanistan bei Anschlägen, Gefechten, Unfällen und Unglücken ums Leben gekommen. Insgesamt sind am Hindukusch rund 3700 deutsche Soldaten stationiert.

Die militärische Führung der Bundeswehr drängt nun auf weitergehende Befugnisse für die Truppe. Nach Informationen des Nachrichtenmagazins Focus beklagte Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan im Kreis der Inspekteure, dem Militärischen Führungsrat, die sehr restriktive Auslegung der Rechtslage beim deutschen Einsatz. Die Soldaten müssten auch aktiv gegen erkannte Aufständische vorgehen können, um "nicht immer auf die Schlachtbank geführt zu werden". Neue Vorschriften seien allerdings Sache der politischen Führung, sagte der General nach Angaben von Teilnehmern. Der Bundestag entscheide am Donnerstag über die deutsche Beteiligung am Einsatz von Nato-Aufklärungsflugzeugen vom Typ AWACS Afghanistan.