Er soll also ohne Fremdeinwirkung gestorben sein, es ist die gängige Übersetzung dessen, was der Chefermittler der Gerichtsmedizin von Los Angeles nach der Autopsie sagte, bevor er den Toten am Freitagabend seiner Familie übergab: "There was no evidence of trauma or foul play." Keine Fremdeinwirkung, merkwürdiges Wort.

Ob die verschreibungspflichtigen Medikamente, die Michael Jackson nahm, seinen Herzstillstand auslösten, soll nun in Labortests herausgefunden werden, und bis zu deren Ergebnis gilt vorläufig: Es gibt keinen Hinweis auf eine Kriminaltat. Dennoch ermittelt die für Raub und Mord zuständige Abteilung des Los Angeles Police Department, sie befragte Jacksons Leibarzt und konfiszierte dessen vor Jacksons Villa, 100 North Carolwood Drive, Bel-Air, geparkten BMW. Spurensicherung.

Doktor Conrad Murray, Kardiologie und Inneres, er war dabei, als Jackson aufhörte zu atmen. Er hat eine Praxis in Las Vegas, schuldet dem Finanzamt angeblich Steuern in Höhe von mehreren 100 000 Dollar, ist von einer allgemein anerkannten Ärzte-Bewertungsagentur nicht zertifiziert – was nicht nötig ist, um zu praktizieren, aber empfohlen und üblich. Einer mehr in der Reihe von Leuten, die Jackson umgaben und von denen man zumindest sagen kann, dass Lupenreinheit nicht zu ihren hervorstechendsten Eigenschaften gehört. Und dass sie natürlich auch dies waren: Fremdeinwirker. Und Fragenaufwerfer.

Wie starb Jackson? An der Antwort auf diese Frage ist auch der Veranstalter jener 50 Konzerte in der Londoner O2-Arena interessiert, die ab Mitte Juli stattfinden sollten. Er ist zwar gegen deren Ausfall versichert, mehrfach, "wir haben eine ziemlich gute Abdeckung", sagt er, "aber vieles hängt vom toxikologischen Befund ab". Ziemlich gut. Die Informationen dazu widersprechen sich, der Veranstalter selbst sprach vor einem Monat davon, dass nur die Hälfte der Konzerte gegen Ausfall versichert sei, mittlerweile ist davon die Rede, dass es nur zehn gewesen sein sollen.

So mischt sich in die Trauer um Jackson nun die Trauer um verlorene Millionen. Londoner Hotels, Restaurants, die Fluggesellschaften und der Betreiber der O2-Arena – die Anschutz Entertainment Group – hatten sich auf tausende Fans eingestellt, die aus aller Welt in die Stadt kommen wollten. Nun muss London nicht nur mit einem leer stehenden Gebäude leben, sondern das Geld für 800.000 verkaufte Tickets muss zurückerstattet werden. Sie haben – ohne die nicht rückerstattungsfähige Buchungsgebühr – 50 bis 70 Pfund gekostet. Mitsamt den bereits aufgelaufenen Kosten – darunter ein Zehn-Millionen-Vorschuss für Jackson selbst – könnte die Rechnung für Jacksons Tod am Ende 300 Millionen Pfund betragen.