Wenige Stunden vor dem Insolvenzantrag am 9. Juni hatte Quelle sein letztes Geld an den Mutterkonzern Arcandor überwiesen. Das geht aus einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hervor, die sich auf einen Arcandor-Sprecher beruft. Dem zufolge sei Quelle auf die Großzügigkeit der Lieferanten angewiesen, die mit ihren Waren und Dienstleistungen in Vorleistung gingen.

Auch die Druckerei des Quelle-Katalogs hatte sich am Freitagabend trotz der Risiken entschlossen, vorläufig mit der Auslieferung des neuen Katalogs zu beginnen. Dies geschah im Vertrauen auf den politischen Willen des Freistaats Bayern und der Bundesrepublik, sagte die Druckerei Prinovis bezüglich ihrer Entscheidung.

Der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Ernst Sindel zeigte sich zuversichtlich, dass Quelle den benötigten Kredit erhält. Insgesamt hingen nach seinen Angaben allein in Bayern mehr als 10.000 Arbeitsplätze an dem Versandhändler. Die Überweisung an Arcandor werde der Betriebsrat überprüfen lassen: "Wir wollen auf Cent und Euro wissen, wie diese letzten Tage verlaufen sind", sagte Sindel. Ein Quelle-Sprecher wollte sich auf Anfrage nicht äußern und verwies auf die erwartete Grundsatzentscheidung der Bundesregierung. Diese soll bis zum kommenden Montag getroffen werden.

Der Arcandor-Sprecher betonte weiter, dass die Überweisung von Quelle an den Mutterkonzern mit der Insolvenz nichts zu tun gehabt habe. Vielmehr handele es sich um ein übliches Verfahren, dass Tochterfimen ihr Guthaben im sogenannten "Cash-Pooling" an die Mutter überführten. Die Tochterfirmen würden aus diesem Pool dann wiederum mit Geld versorgt. Dies sei ein automatisiertes System. Jeden Tag gingen Finanzströme in beide Richtungen.

CSU-Chef Horst Seehofer appellierte an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU), hinsichtlich der Grundsatzentscheidung einen positiven Ausgang zu finden. "Ich habe kein Verständnis dafür, wie die Bundesregierung solche Dinge behandelt", sagte er am Rande einer Parteiveranstaltung in Dachau zur zögerlichen Haltung insbesondere von Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD).

Am Sonntag griff Seehofer die Bundesregierung im Streit um einen dringend benötigten Kredit für das Versandhaus scharf an: "Man muss sich die Frage stellen: Wie sehr gefährdet die Politik durch ihr Verhalten Arbeitsplätze?", fragte er rhetorisch.

Gleichzeitig verteidigte Seehofer die Haltung der bayerischen Staatsregierung, die von sich aus bereits eine Zusage für einen Kredit an Quelle in Höhe von 21 Millionen Euro gegeben hatte. Der Bund ist mit 25 Millionen Euro gefordert, das Land Sachsen soll vier Millionen Euro zur Verfügung stellen. "Wir sind verantwortlich zu dieser Entscheidung gekommen. Der Freistaat verbrennt keine Steuergelder", sagte er. Quelle habe diese Chance verdient und werde sie auch nutzen, wenn der Bund handeln sollte.