Es gibt Momente, in denen für Singles die Urlaubserholung aufhört: etwa, wenn Sie am Katzentisch im Restaurant sitzen, begleitet nur von den mitleidigen Blicken der anderen Gäste. Oder wenn sie mit einer Gruppe reisen, die ausschließlich aus glücklich verliebten Pärchen zu bestehen scheint, zu denen sie sich abends an den Tisch gesellen können, aber dann das fünfte Rad am Wagen sind. In größeren Hotelanlagen oder Ferienclubs fühlen sich allein reisende Frauen oft wie Freiwild und permanent unter Beobachtung. Auf Kreuzfahrten ist der Zuschlag für eine Singlekabine besonders hoch, der Single-Anteil dagegen eher niedrig. Da bleibt nur der Rückzug in das zuschlagpflichtige Zimmer. Viele wissen gar nicht, dass es auch noch einen anderen Ausweg gibt: Singlereisen.

Auf dem deutschen Reisemarkt gibt es bisher nur wenige Anbieter, die sich auf die Zielgruppe "Singles" spezialisiert haben. Dabei leben in Deutschland mehr als zehn Millionen Menschen allein, und die Nachfrage bei den Singlereisen steigt, wie Steffen Butzko, Geschäftsführer von Adamare, einem Reisebüro für Singlereisen, bestätigt. Dass die Buchungszahlen steigen, erklärt er damit, dass das Singlereisen langsam ihren schlechten Ruf als Kuppelfahrten verlieren. "Singlereisen werden gesellschaftsfähiger", sagt er. Bislang war es eher so, dass viele Alleinstehende sich nicht dazu bekannten, dass sie auf eine Singlegruppenreise mitfuhren. Bevor sie sich vor Freunden und Bekannten "outeten", erzählten sie lieber, dass sie mit einer Gruppe unterwegs seien.

"Viele machen sich auch Gedanken über die anderen Reiseteilnehmer, und Frauen haben darüber hinaus manchmal Angst, in eine grölende Meute von Männern zu geraten", sagt Steffen Butzko. Was in der Realität nicht der Fall sei, jedenfalls nicht bei seriösen Anbietern. Denn die legen Wert auf ein hohes Niveau und eine gute Mischung der Gruppe: Die Hotels haben vier oder fünf Sterne. Die Altersstruktur der Teilnehmer ist idealerweise homogen. Das Verhältnis der Anzahl von Männer und Frauen muss stimmen – es sollte mindestens ein Drittel Frauen beziehungsweise Männer mitfahren. So entsteht in der Gruppe kein Ungleichgewicht. Und, ganz wichtig für viele: Es wird niemand zwangsverkuppelt!

Doch was unterscheidet eine Singlereise von anderen Gruppenreisen? Die Reiseziele und -aktivitäten sind es nicht: Angeboten werden Nah- und Fernreisen, Städtereisen, Sportreisen und Kreuzfahrten. Die Anbieter legen jedoch Wert darauf, dass die Singles vernünftig untergebracht sind: Sie sollen nicht in Besenkammern schlafen, sondern zum Beispiel in Doppelzimmern, die sie allein nutzen oder sich mit einem Mitreisenden teilen. Außerdem wird auf die Zusammensetzung der Gruppe geachtet: Alter, Geschlechterverhältnis und Größe der Gruppe müssen stimmen, damit jeder die Chance hat, jemanden kennenzulernen – wenn er das auch wirklich möchte.

Denn nicht jeder Single ist aktiv auf Partnersuche. Viele möchten einfach eine nette Reisebegleitung oder Gleichgesinnte, mit denen sie sich austauschen können. Hier sollte man vorher mit dem Anbieter genau seine Vorstellungen abgleichen. "Eine Reise, bei der die Partnersuche das alleinige Ziel ist, geht nicht unbedingt gut", sagt Steffen Butzko. "Die Gefahr enttäuscht zu werden, ist ziemlich groß, wenn man sich zu sehr darauf versteift."

Manchmal fokussieren sich die gemeinsamen Aktivitäten aber auch auf Themen wie Liebe, Erotik oder Affären. Etwa wenn auf Zypern die Sehenswürdigkeiten rund um die verführerische Aphrodite auf dem Programm stehen. Das sorgt für Gesprächsstoff und lockert die Stimmung. Und wie stehen die Chancen, dass sich auf der Reise ein Liebespaar findet? "Etwa zehn Prozent", sagt Steffen Butzko. "Doch ob die Beziehung von Dauer ist, dafür kann niemand garantieren."