Nein, es war nicht ganz so schlimm, wie es der arabische Sender Al Jazeera um 00:07 Uhr "Mecca Time" meldete. Zur dreitätigen UN-Konferenz über die Folgen der Weltfinanzkrise für die arme Welt, wurde da falsch gemeldet, sei "nicht ein einziger Repräsentant eines fortgeschrittenen Landes" erschienen. Aber es stimmte beinahe.

Von Mittwoch bis Freitag tagte der Gipfel. Deutschland hatte immerhin noch Heidemarie Wieczorek-Zeul geschickt, die Entwicklungshilfeministerin. Manche andere Industrieländer entsandten lediglich Beamte ohne Entscheidungsbefugnis. Der entwicklungspolitische Informationsdienst epo berichtete, dass hinter den Kulissen einige westliche UN-Diplomaten das New Yorker Treffen als "Witz" oder "Zeitverschwendung" bezeichnet hätten.

Weltbewegendes konnte dort also nicht beschlossen werden. Die wichtigsten Forderungen der Entwicklungsländer blieben denn auch ungehört: Es gab keine konkreten Beschlüsse, sie weiter finanziell zu unterstützen. Niemand folgte dem Vorschlag des Weltbankpräsidenten Bob Zoellick, einen bestimmten (kleinen) Prozentanteil aller Konjunkturprogramme auf der Welt für die Armen auszugeben. Man rang sich nicht dazu durch, einen Weltwirtschaftsrat unter dem Dach der Vereinten Nationen zu gründen. Ein Schuldenmoratorium für die ärmsten Länder, das sich die Entwicklungsländer der G77-Gruppe gewünscht haben, wird es auch nicht geben.

Vor allem werden auch in Zukunft die wichtigen Entscheidungen zur Ordnung der Weltwirtschaft in Gremien getroffen werden, in denen reiche Länder und ein paar unvermeidliche aufstrebende Staaten wie Russland oder China das Sagen haben: die G8, die G20, die OECD, der IWF, die Weltbank und so weiter. Die UN, in der im Allgemeinen gleiche Rechte für alle Länder gelten, bleiben vergleichsweise unwichtig.

Das ist in dieser Krise besonders ungerecht, weil die Entwicklungsländer überhaupt keine Schuld am Weltfinanzdesaster tragen. Sie ist vom Zentrum ausgegangen von den USA, von der Wall Street, von einem eng vernetzten System Entfesselter. Schuld war eine "gierige Minderheit", wie der Präsident der UN-Generalversammlung Miguel D'Escoto es ganz richtig ausdrückte.

Dennoch trifft die Krise gerade die armen Länder schwer. "Die Entwicklungsländer haben die Krise nicht verursacht und können sie nicht allein abfedern", sagte die Präsidentin der Welthungerhilfe, Bärbel Dieckmann. Die Entwicklungshilfeorganisation Oxfam warnt vor einer "neuen Hungerkrise". Eine im Frühjahr veröffentlichte Studie des britischen Institute of Development Studies zeigte auf, dass die Menschen in fünf besonders krisenbetroffenen Ländern weniger essen, mehr Kinder aus der Schule nehmen und öfter gesundheitsgefährdende Arbeit annehmen.

Schmuggel und Diebstahl, Drogen- und Alkoholmissbrauch sind auf dem Vormarsch. Mehr Menschen suchen ihre Nahrung auf dem Müll, oder sie schießen wilde Tiere. Mehr Frauen und Kinder verkaufen ihre Körper. Mehr Alte und Kinder werden von ihren Familien ausgesetzt. In vielen dieser Fälle haben die Menschen keine andere Wahl: Auf ein soziales Auffangnetz können sich die Ärmsten nicht verlassen. Das ist in ihren Ländern nicht zu finanzieren.