Als der junge Charles Lindbergh am 21. Mai 1927 gegen 22 Uhr auf dem Pariser Flughafen Le Bourget landet, erwarten ihn mehrere tausend Menschen – und mehrere riesige Kinoscheinwerfer. Lindbergh hatte soeben den Atlantik in einem Nonstopp-Flug überflogen, mit nichts anderem als fünf belegten Broten und ein wenig Trinkwasser an Bord. Eine Sensation!

Eine Sensation? Nicht ganz. Lindbergh war bei weitem nicht der erste Mensch, der den Atlantik überflog. Er war immerhin der erste Alleinflieger. Vor allem aber war er der erste, der dies mit damals ungekannter medialer Begleitung tat. Die Scheinwerfer in Le Bourget sollten die Szene weniger für die Schaulustigen erhellen als für die zahlreichen Filmkameras, die bereits in Stellung gebracht worden waren, um diesen großen Moment festzuhalten.

Wieso es letztlich doch keine Bilder von Lindberghs Landung gab, erklärt die erste Folge der zehnteiligen Arte-Reihe "Verschollene Filmschätze" am Freitag (17.45 Uhr) auf ebenso penible wie charmante Weise. Serge Viallet und Cédric Lépée durchforsteten für die Serie alte Filmbestände und förderten teilweise unbekanntes Material über Weltereignisse wie die erste Landung auf dem Mond oder die Ermordung von König Alexander I. von Jugoslawien im Jahr 1934 zutage.

Vor allem aber zeigen die beiden Autoren, dass Bilder schon lange vor unserer Zeit Stars machen konnten. Lindberghs knapp einwöchiger Aufenthalt in Paris ist beinahe so gut dokumentiert wie jener von Barack Obama vor wenigen Wochen. Schon damals bestimmten die Kameras Ablauf und Ort vieler Ereignisse. Die Verleihung des Ordens der Ehrenlegion nahm der damalige Staatspräsident Paul Doumer im Freien vor, des besseren Lichts wegen. Als Lindbergh wieder zurück nach New York kam – diesmal per Schiff -, waren die Bilder seines Triumphzuges durch Europa längst da.

Als Jahrzehne später, im Jahr 1969, Apollo 11 zu ihrem Flug zum Mond aufbrach, war die Startrampe mit Kameras gespickt, die Bilder lieferten, die selbst mit heutiger Technik nicht perfekter hätten sein können. Die ersten Schritte, die Neil Armstrong auf dem Mond tat, erfolgten extra fünf Stunden früher als geplant, um in den USA die Fernseh-Primetime nicht zu verpassen.

Die Folge 1969. Live vom Mond, die passend zum 40. Jahrestag am 20. Juli ausgestrahlt werden wird, zeigt sogar, mit welcher Akribie die Nasa-Bodenstation in Houston überwachte, wo Buzz Aldrin die Filmkamera aufbaute, um Raumfähre und Astronauten perfekt ins Bild zu setzen. Und die Autoren vergessen auch nicht den bedauernswerten dritten Mann, Michael Collins, dem "wohl einsamsten Menschen der Welt", der unbeachtet von den 700 Millionen Fernsehzuschauern weltweit in der Raumkapsel bleiben und weiter seine Experimente ausführen musste.