Klimapolitik ist zäh. Bundeskanzlerin Angela Merkel weiß das nur zu gut. Denn es ist tatsächlich erst zwei Jahre her, dass sie beim G8-Gipfel in Heiligendamm mit dem damaligen amerikanischen Präsidenten George W. Bush noch darum gerungen hat, die Gefahren der Erderwärmung überhaupt im Abschlussdokument zu erwähnen. Gemessen daran war das diesjährige Treffen in l'Aquila schon am ersten Tag ein großer Erfolg.

Erstmals haben die USA eingewilligt, im Kampf gegen den Klimawandel konkrete Ziele zu vereinbaren. Bis 2050 wollen die G-8-Staaten den weltweiten Ausstoß gefährlicher Treibausgase um die Hälfte reduzieren, um die Erwärmung der Erde auf zwei Grad zu begrenzen. Und sie wollen dabei eine Vorreiterrolle übernehmen: Die Industrieländer sollen ihren CO2-Ausstoss bis zur Mitte des Jahrhunderts um mindestens 80 Prozent reduzieren.

Auch wenn Deutschland und andere Staaten gerne schneller vorangegangen wären und verbindliche Klimaziele lieber schon für das Jahr 2002 vereinbart hätten, ist dies ein großer Durchbruch. Denn erstmals sind nun auch die USA mit im Boot. Seit Barack Obama dort Präsident ist, der eine Wende in der amerikanischen Klimapolitik versprochen hat, geht eben in der Weltpolitik einiges leichter. Zumindest, wenn es um nicht bindende Gipfelerklärungen wie bei der G8 geht.

Allerdings steht eine Einigung mit China, dem inzwischen größten Treibhausemittenten der Welt, noch aus. Nach dem Einlenken der USA dürfte die jedoch jetzt leichter zu erreichen sein.

Für die G-8-Staaten wird sich spätestens Ende des Jahres zeigen, wie ernst ihnen die Vereinbarung von l'Aquila ist. Auf der UN-Klimakonferenz im Dezember in Kopenhagen will sich die Weltgemeinschaft auf verpflichtende Ziele einigen. Dass die großen Industrieländer dort tatsächlich zum Vorreiter werden könnten und den Schwellen- und Entwicklungsländern Brücken bauen wollen, um auch sie mit ins Boot zu holen, haben sie am ersten Tag ihres Gipfels immerhin mehrmals signalisiert.

In den nächsten beiden Gipfeltagen wird es nun darum gehen, auch den aufstrebenden Ländern wie China und Indien eine gemeinsame Klimaerklärung abzuringen. Immerhin haben die G-8-Staaten anerkannt, dass der Süden für den Kampf gegen die Erderwärmung finanzielle Hilfe aus dem Norden braucht. Sie gehen damit auf eine zentrale Forderung der Schwellen- und Entwicklungsländer sein. Es sei nötig, "zusätzliche Ressourcen" zu mobilisieren, heißt es im Entwurf für das Abschlussdokument.