ZEIT ONLINE: Sie hatten im vergangenen Herbst ein Bachelorstudium in Pädagogik an der Technischen Universität Darmstadt aufgenommen und bald wieder abgebrochen. Wann ist Ihnen zum ersten Mal klar geworden, dass Sie Ihr Studium abbrechen müssen?

Miriam Lehmann: Im Januar 2008. Da standen die Studiengebühren an, und ich konnte sie nicht bezahlen. Die finanziellen Probleme meiner Eltern und die geringe staatliche Unterstützung ließen mir keine andere Wahl.

ZEIT ONLINE: Wie genau sah Ihre finanzielle Situation aus?

Lehmann: Ich habe knapp 380 Euro BAföG im Monat bekommen. Davon gingen 305 Euro für die Miete drauf. Beim BAföG-Amt sagte man mir, meine Mutter sei in der Lage die Differenz bis zum Höchstsatz von 643 Euro zu bezahlen. Weil beim BAföG aber nur das Einkommen meiner Mutter berücksichtigt wurde, nicht aber die Kredite, die sie noch abbezahlen muss, war die Berechnung einfach zu knapp. Den BAföG-Bescheid bekam ich erst im Semester. Hätte ich vorher gewusst, dass mir nur 380 Euro zustehen, hätte ich mich gar nicht erst eingeschrieben und jetzt keinen Studienabbruch in meinem Lebenslauf stehen.

ZEIT ONLINE: Im Internet gibt es so genannte BAföG-Rechner, die angeblich schon vor dem Antrag sagen, was man bekommen wird. Haben Sie das ausprobiert?

Lehmann: Ja. Laut BAföG-Rechner im Internet hätte ich gut 100 Euro mehr bekommen. Dann hätte die Situation schon anders ausgesehen.

ZEIT ONLINE: Warum haben Sie sich keinen Studentenjob gesucht?

Lehmann: Ich habe schon nach einem Job gesucht, aber es war so wenig Zeit bevor ich mich entscheiden musste, ob ich aufhöre, dass ich nichts Richtiges finden konnte. Außerdem wären die meisten Jobs auf 400 Euro-Basis gewesen und dann hätte ich kein BAföG mehr bekommen. Und ich habe darüber nachgedacht, wie es sein würde, immer auf den Job angewiesen zu sein und hatte Angst, dass ich das hinterher vielleicht gar nicht schaffe. Im ersten Semester geht das ja noch, aber wenn ich dann erst im dritten oder später gemerkt hätte, dass ich das zeitlich nicht mehr hinbekomme und doch abbrechen muss, wären mir noch mehr Jahre verloren gegangen.

ZEIT ONLINE: Haben Sie sich über alternative Finanzierungsmöglichkeiten informiert oder einen Studienberater um Hilfe gebeten?