Innen ist es dunkel. Die Plastikfolien machen aus dem hellen Sonnenlicht einen gräulich-blassen Dunst, der sich mit dem Geruch von Urin und faulem Wasser mischt. Hier, in einem von vielen Hundert Zelten im Flüchtlingslager in Eldoret im Westen Kenias, haust Teresia Naumo mit ihrer Mutter und ihrer Schwester, die vor sechs Wochen einen Sohn geboren hat.

Vor anderthalb Jahren, im Januar 2008, mussten sie fliehen, weil die Nachbarn ihr Haus angezündet hatten. Die Unruhen nach der Parlamentswahl erschütterten damals ganz Kenia, seither lebt Teresia mit weit über dreitausend anderen Flüchtlingen auf dem Messegelände von Eldoret.

Sie ist Kikuyu, vom gleichen Stamm wie Präsident Mwai Kibaki, der von den anderen, verfeindeten Stämmen der Wahlmanipulation bezichtigt wurde. Deshalb haben sie damals versucht, alle Kikuyus zu töten und zu vertreiben. Nandi gegen Kikuyus, Kalenjin gegen Kikuyus, Luos gegen Kikuyus. Allein in Eldoret hat das Rote Kreuz fast fünfhundert Tote gezählt, 130.000 bedrohte Menschen waren auf dem Messegelände in Zelten untergebracht.

Heute leben hier neben Teresia immer noch dreitausend weitere Flüchtlinge aller Stämme. Denn die Unruhen haben nicht nur Kikuyu-Dörfer zerstört, Freundschaften vernichtet und Familien ausgelöscht.

"Wir haben alle das gleiche mitmachen müssen", sagt James Kamau - auch Kikuyu -, den sie im Flüchtlingslager zu einem ihrer Sprecher und Anführer gewählt haben. Jetzt halten sie zusammen, Kikuyus und Luos und Kalenjin. Aufstände im Lager habe es nie gegeben, im Gegenteil: "Wir helfen uns." Denn was sie eint, ist ihre Leidensgeschichte, vor allem aber ihre Notlage.

Seit anderthalb Jahren leben sie in Zelten, Teresia Naumo und ihre Familie zu viert auf sechs Quadratmetern. "Die zwei Wassertanks im Lager haben ein Leck", sagt Kamau, "die wenigen Toiletten sind überfüllt oder kaputt". Seit einem halben Jahr hat keine Hilfsorganisation, kein Journalist oder Politiker das Gelände betreten.

Die Hauptstadt Nairobi ist vierhundert Kilometer entfernt, in den ersten Monaten hat die Regierung zwar fünfzig Kenya-Shilling pro Kopf gezahlt, gut fünfzig Cent. "Seit Monaten kümmert sich aber niemand mehr um uns", klagt John Kamau, und Teresia ergänzt: "Sie haben uns einfach vergessen!"

Was die Flüchtlinge aller Stämme erbost ist die Apathie der Regierung und ihre eigene Hilflosigkeit: "Es gibt keinen Plan für uns", vom Gelände könnten sie jederzeit vertrieben werden. Kamau: "Wenn uns wenigstens das Land gehören würde, könnten wir etwas anbauen." Denn der Hunger ist der Flüchtlinge größter Feind. "Sogar die Kinder sind auf der Suche nach etwas Essbarem", erzählt Dorcas Chesang, ein Freund von Teresia und vom Kalenjin-Stamm.