Bis zuletzt war von Einigung nicht viel zu spüren. Die Unterhändler für den Gipfel der sieben führenden Industrienationen und Russland (G 8) hatten bis Dienstag noch keinen kompromissfähigen Text zum Klimaschutz zustande gebracht. Dabei gibt es ein großes Ziel: Im Dezember soll in Kopenhagen ein neues internationales Klimaabkommen unterzeichnet werden, ein Nachfolgeabkommen des 2012 auslaufenden Kyoto-Protokolls.

Dieses am 16. Februar 2005 in Kraft getretene Abkommen legte erstmals verbindliche Zielwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen in den Industrieländern fest, die als Hauptursache der globalen Erwärmung angesehen werden.

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) hat zwei Ziele für den am Mittwoch beginnenden G-8-Gipfel. Zum einen soll im Verhandlungstext für den Gipfel das sogenannte Zwei-Grad-Ziel stehen und zum anderen das Referenzjahr 1990 für Emissionsreduzierungen. Doch beides stößt auf Widerstand. Beim Zwei-Grad-Ziel geht es darum, eine durchschnittliche globale Erwärmung unter zwei Grad Celsius im Vergleich zur vorindustriellen Zeit zu halten. Das ist die kritische Grenze, die Klimaforscher für gerade noch beherrschbar halten. Doch damit dies in Kopenhagen zu einem globalen Ziel werden kann, müssen zumindest die wichtigsten Industrienationen sich zu dieser Marke bekennen.

Der G-8-Gipfel wäre eine gute Gelegenheit dafür. Zwar sträuben sich bisher vor allem die USA dagegen, aber zumindest scheinen die wichtigsten Schwellenländer kurz vor Beginn der G8-Gespräche das allgemeine Ziel einer maximalen Erderwärmung von zwei Grad akzeptiert zu haben. Bundesumweltminister Gabriel habe den Durchbruch nach einem Treffen zwischen Vertretern der Industrie- und Schwellenländer bestätigt und als großen Fortschritt bezeichnet, hieß es in einem Bericht des ARD-Hörfunks am Mittwoch. Die Schwellenländer sollen demnach erstmals akzeptiert haben, wesentlich weniger CO2 zu emittieren. Gabriel habe jedoch eingeräumt, dass es bislang noch keine Vereinbarungen dazu gebe, wie diese Ziele genau erreicht werden sollen.

Der zweite Streitpunkt, das Referenzjahr, ist ebenfalls umstritten. Das Kyoto-Protokoll und auch die UN-Klimaverhandlungen orientieren sich an 1990. Dieses Jahr hatte die damalige Umweltministerin und heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Klimakonferenz 1997 im japanischen Kyoto mit Unterstützung einiger anderer Staaten durchgesetzt. Das war günstig für Osteuropa und für Deutschland. Denn durch den Zusammenbruch der ehemals kommunistischen Ökonomien und der damit einhergehenden Stilllegung vieler alter Industrieanlagen hatten diese Staaten bereits beträchtliche Emissionsminderungen vorzuweisen. Deshalb war Deutschland damals auch bereit, das sehr ambitionierte Klimaschutzziel von 21 Prozent weniger Treibhausgasausstoß im Vergleich zu 1990 bis zum Jahr 2012 zu übernehmen.

Doch die USA haben ganz andere Pläne. Ihnen wäre 2005 als Referenzjahr lieber. Denn in diesem Fall würde ihr Klimaziel von minus 17 Prozent bis 2020 schon viel besser klingen. In Relation zu 1990 bedeutet das aber gerade mal vier bis sechs Prozent Minderung. Unterstützung kommt von Japan, das sich schwer tut, sein Kyoto-Ziel zu erfüllen. Doch Sigmar Gabriel kündigte bereits Widerstand an: "Das wollen wir den USA nicht durchgehen lassen", sagte er im Vorfeld des Gipfels.

Dabei ist es nicht so, dass die G 8 in punkto Klima bisher untätig waren. Schon zweimal haben sie den Beschluss gefasst, bis 2050 die Treibhausgasemissionen zu halbieren. Doch hat die ganze Sachen einen Haken. Sie beschränken diese Marke auf ihre eigenen Volkswirtschaften. Um aber wirklich etwas für den Klimaschutz zu tun, müsste dieser Beschluss auf die ganze Welt ausgedehnt werden.