Probleme mit der Elektronik: Am Donnerstag eine Transformatorenstörung, am Wochenende ein Ventilproblem und ein Kurzschluss – zwei Wochen nach der Wiederinbetriebnahme des Pannenmeilers in Krümmel an der Elbe steht der Energiekonzern Vattenfall wieder einmal in der Kritik.

Aber auch die Bundesländer verlieren das Vertrauen zumindest von Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD). Der will die bisher den Ländern überlassene Atomaufsicht baldmöglichst reformieren und zentral ansiedeln. "Es muss eine einheitliche Atomverwaltung her", verlangte er in der ARD.

In Krümmel hatte schon 2007 ein Transformator gebrannt, zuvor gab es Probleme mit minder haltbaren Schwerlastdübeln. Zwei Jahre war der Meiler abgeschaltet. Zu beaufsichtigen hat die Atomkraftwerke Schleswig-Holsteins Sozialministerin Gitta Trauernicht (SPD). Den Pannen von vor zwei Jahren folgte zwar der Versuch, den Energiekonzern stärker als bisher zu kontrollieren, doch ein wirksamer Wandel blieb aus. Nachdem sich auch im benachbarten Brunsbüttel die Probleme häuften, stand kurzzeitig auch ein Entzug der Betriebserlaubnis für Vattenfall zur Debatte.

Aus der Bundesregierung kommt nun die konkrete Forderung, eine Bundesaufsicht einzuführen, die alle 17 Atomkraftwerke umfasst. "Das Gezerre zwischen Bund und Ländern gibt es nirgendwo auf der Welt", klagte Minister Gabriel, der die Aufklärung des jüngsten Störfalles in Krümmel bereits an sich gezogen hat.

Am Samstag hatte sich der Reaktor des erst vor zwei Wochen wieder hochgefahrenen Atomkraftwerks automatisch abgeschaltet, unter anderem fiel ein Kühlsystem stundelang aus. Ursache war ein Kurzschluss in einem Transformator. Im nahen Hamburg blieb daraufhin ein Großteil der Verkehrsampeln dunkel, die Wasserversorgung war gestört.

Vattenfall konnte sich die Panne bislang nicht vollständig erklären, was für Kritik sorgte: Grünen-Spitzenkandidatin Renate Künast sprach dem Konzern die Eignung ab, Atomkraftwerke zu betreiben. "Es zeugt von gefährlichem Dilettantismus, dass Vattenfall das AKW in nur zwei Wochen zweimal vom Netz nehmen muss", sagte sie dem Tagesspiegel. Minister Gabriel kündigte nach dem Zwischenfall an, die Elektronik sämtlicher deutscher Meiler untersuchen zu lassen.

Aber auch bei der Kommunikation herrscht Verbesserungsbedarf: Die Nachricht von der Panne vom Samstag hatte die Landes-Atomaufsicht in Kiel nicht durch Vattenfall erreicht, sondern durch die Polizei. Eine am Donnerstag vollzogene Trennung vom Netz hatte zunächst Greenpeace öffentlich gemacht. Betreiber Vattenfall kündigte an, den Informationsfluss zu verbessern.