Die Wahrheitskommission des westafrikanischen Landes will, dass die erste Frau an der Spitze, Ellen Johnson-Sirleaf,   wegen einer früheren Unterstützung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Charles Taylor 30 Jahre lang kein öffentliches Amt mehr ausüben darf.

Sollte das Parlament, in dem die Partei von Johnson-Sirleaf keine Mehrheit hat, die Empfehlungen der Wahrheitskommission als Gesetz verabschieden, würde dies das politische Aus für die Präsidentin bedeuten.

Die nach südafrikanischem Vorbild eingerichtete Wahrheitskommission hat die Hintergründe des blutigen Bürgerkriegs in
Liberia untersucht. "Ich spüre jeden Tag mein Gewissen deswegen", hatte Johnson-Sirleaf im Februar in ihrer Aussage vor der Wahrheitskommission betont. Sie habe in den späten achtziger Jahren Taylors Rebellion gegen den langjährigen Militärherrscher Samuel Doe aber für notwendig gehalten.

Taylor stürzte Liberia nach dem Putsch gegen Doe in einen blutigen Bürgerkrieg und muss sich derzeit wegen mutmaßlicher Kriegsverbrechen vor dem Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag verantworten.

Ein Sprecher der Präsidentin nannte die Empfehlung der Kommission im britischen Rundfunksender BBC "überraschend". Johnson-Sirleaf werde sich äußern, wenn sie den Bericht der vor vier Jahren gegründeten Wahrheitskommission gelesen habe.

Charles Taylor war vom 2. August 1997 bis zum 11. August 2003 Präsident von Liberia. Der Kriegsverbrecher-Prozess in Den Haag gegen ihn wurde 2007 eröffnet und ist immer noch nicht abgeschlossen.