Manchmal wird er sich selbst unheimlich. Er hat die erste und die letzte Sendung des Fernsehens der DDR moderiert. Er war ihr erster TV-Nachrichtensprecher und steht sogar im Guinnessbuch der Rekorde: als "ältester prominenter noch aktiver Trabrennfahrer". Und nun dieser Film.

Herbert Köfer, Jahrgang 1921, schaut von seinem Sofa auf den Zeuthener See. Er schafft das nicht oft – einfach dasitzen und wie ein Rentner aufs Wasser gucken –, denn sein Leben gleicht noch immer einem Trabrennen. Von Termin zu Termin, von Auftritt zu Auftritt. Er hat schon früh gewusst, dass Rentner niemals Zeit haben, und aus dieser Einsicht eine der beliebtesten Fernsehserien der DDR gemacht: "Rentner haben niemals Zeit".

Köfer hat den Film nie vergessen, in dem er "Heuschnupf das Aas" war, führendes Mitglied einer bekehrten Kleinverbrecherbande. Er hat lange gehofft, dass "Hände hoch …" doch gezeigt würde, fast ein halbes Jahrhundert vergebens. Ja, wenn sie nun alle gemeinsam ins Kino gehen könnten, die ganze Bande, Brechstange, Hinker und Schimmy und die anderen. "Aber nur ich bin noch übrig", sagt Köfer. Er muss allein gehen.

1965/1966 gelang es den regierenden Spießbürgern der DDR, beinahe eine ganze Jahresproduktion der Defa zu verbieten. "Im Grunde war dieses 11. Plenum schon der Anfang vom Ende", überlegt Köfer. Im Rückblick erkennt man solche Dinge klarer, damals war er erschrocken: "Wie entwürdigend die Partei mit Menschen umging." "Hände hoch oder Ich schieße" ist der letzte in der Reihe der verbotenen Filme von damals. Die meisten von ihnen – am spektakulärsten war wohl "Spur der Steine" – wurden gleich nach dem Ende der DDR aufgeführt.

Herbert Köfer ist gewissermaßen ein Spezialist für die Verbotsfilme des berüchtigten 11. SED-Plenums, denn er hatte damals auch eine eigene Live-Kino-Sendung im Fernsehen: "Hauptfilm läuft". Am liebsten führte er Interviews an den Drehorten gerade entstehender Filme: "Zu 'Spur der Steine' habe ich Manfred Krug befragt, zu 'Hände hoch …' interviewte ich mich selbst als 'Heuschnupf das Aas'." "Hände hoch oder ich schieße" ist die einzige Komödie im Verbots-Doppeljahrgang. "Ein Filmchen, gemessen an den anderen", relativiert er, und es klingt dabei nicht abwertend, im Gegenteil, es klingt beinahe zärtlich.

Komödien müssen Leichtgewichte sein. Eine schwere Komödie wäre eine Tragödie. Und doch entschieden Regisseur Hans-Joachim Kasprzik und Autor Rudi Strahl sich 1990 gegen eine Rekonstruktion des nie gezeigten Films. Vielleicht auch, weil damals, so kurz nach dem Ende der DDR, wohl niemand die komische Ausgangssituation von "Hände hoch…" komisch gefunden hätte: Die DDR steht am Ende der Weltkriminalstatistik.

"Hände hoch …" setzt versuchsweise voraus, was manche vom Sozialismus erwarteten: Wenn die einen nicht mehr zu viel und die anderen nicht mehr zu wenig haben – müsste die Kriminalität dann nicht ganz schnell verschwinden? Erich Honecker hat bis zuletzt geglaubt, dass die Kriminalität dem Sozialismus "wesensfremd" ist. Köfer, der früher auch seine Haustür nicht abschloss, weil sowieso keiner einbrach, glaubt eher, das lag daran, dass ein Verbrecher in der DDR nicht wegkonnte, zumindest nicht raus. Außerdem hatten ohnehin alle das Gleiche. Trotzdem ist eine solche Bilanz erfreulich bis auf – Beginn der Komödie – für die Kriminalisten selbst.