Benedikt XVI. gliederte die für die Pius-Bruderschaft zuständige Päpstliche Kommission "Ecclesia Dei" offiziell der mächtigen Glaubenskongregation an. Dies geht aus einem am Mittwoch in Rom veröffentlichten Apostolischen Schreiben hervor. Demnach soll der Präfekt der Glaubenskongregation, der amerikanische Kardinal William Levada (73), nun auch die Leitung der Päpstlichen Kommission übernehmen.

Der konservative Levada gilt als pragmatisch und prinzipientreu. Die Aufgabe der von ihm geleiteten Behörde besteht darin, über die Einheit der katholischen Lehre zu wachen.

"Ecclesia Dei" hatte im vergangenen Februar die Exkommunikation von vier Pius-Bischöfen, darunter dem Holocaust-Leugner Richard Williamson, zurückgenommen und damit weltweit Kritik ausgelöst. Der Papst räumte im März in einem persönlichen Brief Fehler ein und kündigte Konsequenzen an. Insbesondere sei die Bedeutung des Internets unterschätzt worden. Man hätte die Ansichten Williamsons rechtzeitig erfahren können.

Nun schreibt Benedikt XVI., es gebe unterschiedliche Ansichten zwischen der Bruderschaft und der katholischen Kirche. Bis diese nicht geklärt seien, dürften Angehörige der Bruderschaft keine Amtshandlungen, wie jüngst die Priesterweihen in Regensburg, vornehmen.

Die Bruderschaft soll sich vor allem zu den Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) mit seiner Öffnung zum Judentum bekennen. Die Pius-Gemeinschaft gilt theologisch und politisch als reaktionär. Sie lehnt weite Teile des Konzils ab.

Zugleich rief der Papst die Bruderschaft zur Rückkehr auf. "Mit dieser Entscheidung wollte ich insbesondere meine väterliche Fürsorge für die Bruderschaft von Pius X. zeigen, mit dem Ziel, die volle Einheit mit der Kirche wiederzufinden", heißt es in dem auf Lateinisch und Italienisch abgefassten Schreiben.