Der Gläubigerausschuss entschied sich nach Angaben des Unternehmens dafür, einen Verkaufsprozess für den Feinripp-Hersteller einzuleiten. Daran wolle sich auch der bisherige Eigentümer, die schweizerische Industriellenfamilie Bechtler, beteiligen. Insolvenzverwalter Volker Grub rechne angesichts des großen Interesses "einer Reihe starker Unternehmen" mit einem attraktiven Kaufpreis. Interesse an dem Traditionsunternehmen hat auch eine Investorengruppe um den Modeschöpfer Wolfgang Joop angemeldet.

Im laufenden Geschäft ist der Wäscheproduzent in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt. "Die Insolvenz hat Sympathien für die Marke Schiesser geweckt", sagte Grub. Nach seinen Angaben wuchs der Umsatz im ersten Halbjahr 2009 um rund drei Prozent auf 60 Millionen Euro. Der Gewinn betrug zwischen Januar und Mai vor Abschreibungen 1,5 Millionen Euro.

Schiesser ist vor allem wegen unrentabler Lizenzgeschäfte in eine Schieflage geraten. Von den Schulden, die in den vergangenen vier Jahren aufgelaufen sind, stammen 51 Millionen aus der Produktion für Fremdfirmen wie Puma, Tommy Hilfiger oder Mexx. Inzwischen ist Schiesser aber aus den meisten Lizenzverträgen ausgestiegen. Die Zahl der Schiesser-Mitarbeiter, die Ende 2008 noch bei 2465 lag, liegt jetzt knapp unter 2000. Am Stammsitz in Radolfzell arbeiten nach der Streichung von 90 Jobs noch etwa 510 Menschen.