Ausbreitung der Amerikagrippe weltweit

Deshalb sind Hygienemaßnahmen wichtig. Dazu gehört etwa regelmäßiges Händewaschen und in den Ärmel statt in die Hand husten, damit Viren nicht an den Händen kleben bleiben und so leicht weitergegeben werden können. "Wenn das Amerikavirus so bleibt wie es ist, werden wir im Winter vermutlich nicht mehr Todesfälle zu erwarten haben, als in Zeiten einer schweren saisonalen Grippewelle", schätzt Drosten.

Die Amerikagrippe ist also keineswegs besonders gefährlich, aber eben auch genauso wenig zu unterschätzen wie die saisonale Grippe. Wenig hilfreich sind Berichte, der neue Erreger könne mit dem Grippemedikament Tamiflu bald nicht mehr behandelt werden. Drei Patienten in Dänemark, Japan und in Hongkong hatten eine Resistenz gegen Tamiflu entwickelt, sind aber vollkommen genesen. "Das ist keinesfalls sensationell", sagt Drosten. Zum einen beobachtet man solche Resistenzen auch während der saisonalen Grippe. Zum anderen seien die mutierten Viren erfahrungsgemäß sehr schwer übertragbar, da sie durch ihre Veränderung selbst schaden nehmen. "Eine Horrormeldung lässt sich daraus nicht ableiten, die meisten Resistenzen sind harmlos", sagt Drosten.

Was aber ist mit der Gefahr, dass sich das neue H1N1-Virus mit den bereits zirkulierenden saisonalen Grippe-Erregern vermischt und ein aggressiveres Supervirus entsteht? Natürlich kann es vorkommen, dass Erreger ihr genetisches Material austauschen. Doch solche veränderten Viren müssen sich nicht zwangsläufig verbreiten. "So ein Austausch schwächt die Viren und sie bräuchten Zeit, um sich zu berappeln. Diese Zeit gibt ihnen die Natur meist nicht", sagt Drosten. Zudem gibt es bereits zwei saisonale Grippeviren, die seit Ende der 1970er Seite an Seite verbreitet sind. Diese hätten sich zwar schon vermischt, ein weit verbreiteter Erreger sei dabei aber nie entstanden.

Es gibt also kein Grund zur Panik, wenn das Amerikavirus sich nun weiter seinen Weg um den Globus bahnt. Zudem ist ein Impfstoff bereits in der Herstellung. Einige Länder, darunter die USA, haben ihn bereits bei den Herstellern bestellt. Frankreich gibt für 100 Millionen Dosen 700 Millionen Euro aus wie die Zeitung Le Parisien berichtet. "Hierzulande wird kritisiert, dass noch nicht bestellt wurde, doch wir werden den Impfstoff nicht später haben als andere", sagt Drosten. Wann der allerdings geliefert werden kann, ist noch unklar, vermutlich ab Herbst werde es erste Dosen geben.

Der Versuch, die Amerikagrippe einzudämmen, ist gescheitert, doch sind wir gut gewappnet. "Die gegenwärtige Situation ist die beste Übung für den Ernstfall", sagt der Virologe Peter Wutzler. Maßnahmen wie Schulschließungen dienen nur dazu, die Verbreitung abzumildern. Aufzuhalten ist das H1N1-Virus nicht mehr. Wir sollten ihm nicht mit Angst begegnen. Es wird keinen Sturm auf die Krankenhäuser geben oder einen Kampf um den Impfstoff. Ernst nehmen sollten wir die Influenza aber schon, egal ob Amerika- oder Wintergrippe.