Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) sagte in der Bild, dass er sich durch die Veröffentlichung gegen eine Kampagne wehren wolle. Er verteidigte sein Zögern bei der Veröffentlichung, der Fragebogen gehöre als Teil seiner Personalakte zum Privatesten. "Und drittens gebe ich zu, dass auch Sorge mitspielte. Sorge davor, dass die Wahrheit verdreht wird."

Damit konfrontiert, warum er die Frage nach dienstlichen Kontakten zur Stasi trotz zweier Besuche von Stasi- Leuten auf dem Fragebogen verneinte, sagte er im Interview mit dem Tagesspiegel: "Mein Verständnis war immer, dass mit den Fragebögen geklärt werden sollte, ob jemand für das MfS gearbeitet hat. Das habe ich nicht getan."

Tillich war Ende 2008 wegen seiner Arbeit in der regionalen DDR- Verwaltung in die Kritik geraten. Als CDU-Mitglied war er seit Ende Mai 1989 im Rat des Kreises Kamenz für Handel und Versorgung zuständig und zugleich Vize-Chef der Behörde gewesen. Tillich wurde unter anderem vorgeworfen, diese Vize-Funktion im offiziellen Lebenslauf nicht erwähnt zu haben. Abgeordnete der Linkspartei warfen ihm vor, in seinem Personalfragebogen von 1999 vier falsche Antworten gegeben zu haben.

Um die Veröffentlichung des Fragebogens gab es zuvor einen wochenlangen juristischen Streit mit anderen Medien. Nun ging Tillich überraschend selbst in die Offensive. Vertreter der Opposition und des Koalitionspartners SPD kritisierten das Vorgehen.

In Sachsen wird am 30. August ein neuer Landtag gewählt.