Die Grünen-Fraktionsvorsitzende im Bundestag, Renate Künast, wählte deutliche Worte: "Dieser Pannen-Konzern muss spüren, dass man ihm nicht mehr vertraut", sagte sie dem Tagesspiegel. Die Kunden von AKW-Betreiber Vattenfall sollten den Atomausstieg vorziehen und zu einem Ökostromanbieter wechseln.

Der Vize-Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber, ergänzte, Vattenfall-Kunden, die das Verhalten des Konzerns für inakzeptabel halten, können "zwischen Dutzenden anderen Stromanbietern wählen und dadurch Druck machen".

Nach einer Panne vergangene Woche hatte am Wochenende ein Trafo-Kurzschluss die Schnellabschaltung des Reaktors bewirkt. Betreiber Vattenfall will sie nun durch neue ersetzen. Der Atommeiler war erst vor zweieinhalb Wochen wieder ans Netz gegangen, nachdem er wegen einer ähnlichen Panne im Sommer 2007 zwei Jahre keinen Strom liefern konnte. Damals hatte ein Transformator gebrannt. Der Energiekonzern Vattenfall räumte zu Wochenbeginn Fehler ein, der Kraftwerkschef verließ seinen Posten.

Laut Berliner Zeitung hat die Bundesregierung in Antworten auf parlamentarische Anfragen der Grünen 2006 und 2007 eingeräumt, dass Atomkraftwerke älterer Bauart wie Krümmel oder Biblis technisch rückständig seien. "Die neueren Siedewasserreaktoren sowie die Druckwasserreaktoren der dritten oder vierten Generation haben grundsätzlich bessere Sicherheitseigenschaften", heiße es darin unter anderem. Die älteren Meiler "entsprechen nicht dem aktuellen Stand von Wissenschaft und Technik".

RWE-Vorstandschef Jürgen Großmann verteidigte hingegen die Sicherheit der deutschen Kernkraftwerke. "Die Kernkraftwerke in Deutschland arbeiten alle auf höchstem internationalem Niveau", sagte er der Bild-Zeitung. Es sei kein einziges unsicheres Kraftwerk in Betrieb. "Auch ältere Kernkraftwerke in unserem Land sind auf Top-Niveau." Die deutschen Kernkraftwerke würden so streng überwacht wie sonst nirgends.