Es gibt nicht viele Politiker in der SPD, die Menschen so direkt ansprechen können wie der 49-Jährige aus Goslar. Das ist einer der Gründe, warum er in den Zeitungen immer wieder als möglicher SPD-Kanzlerkandidat für das Jahr 2013 genannt wird – als Rivale von Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit.

Doch in den Medien ist Gerhard Schröders früherer Zögling bei Weitem beliebter als in der eigenen Partei.

Die SPD und Sigmar Gabriel – das ist auch eine Geschichte des Misstrauens. Am Ende könnte dieses Misstrauen Gabriel die politische Karriere kosten.

Wie keinem anderen sozialdemokratischen Spitzenpolitiker haftet ihm der Ruf des Unsteten an: hochbegabt, aber wenig vertrauenswürdig, einer, der von Thema zu Thema springt, der seine Positionen in Windeseile wechselt, wenn es nur seinem Fortkommen dient, so wird er von vielen gesehen – vor allem im linken Flügel der SPD. "Die tun gerade so, als sei er der einzige Egoist unter lauter Altruisten", spottet ein alter Weggefährte des Ministers.

Doch das Urteil vieler in der SPD hält sich hartnäckig. Selbst vier Jahre Fachpolitik im Bundesumweltministerium, wo er sich in kurzer Zeit in die komplizierte Materie der Klimapolitik einarbeitete, haben es nicht aus der Welt schaffen können. Dabei hatte Gabriel das Amt mit dem festen Vorsatz übernommen, nun allen Zweiflern zu beweisen, was für ein beständiger Arbeiter er sein kann.

Als er dann aber für die Boulevardzeitungen mit Eisbär Knut im Berliner Zoo posierte, um so ein Zeichen gegen den Klimawandel zu setzen, machte in der SPD sofort wieder das Wort vom "Populisten" die Runde. Die Kritiker feixten erst recht, als später auch noch gemeldet wurde, dass Gabriels mehr als 10 000 Euro teure "Futterpatenschaft" für Knut nicht von ihm, sondern vom Steuerzahler finanziert werden musste.

Gabriels Bilanz als Ressortchef ist gar nicht schlecht – selbst Umweltverbände sprechen ihm Erfolge nicht ab. "Gabriel gehört auf internationaler Ebene zu den Antreibern für mehr Klimaschutz und verdient gute Noten für seine Haltung zur Atomenergie", sagt etwa Tobias Münchmeyer von Greenpeace: "Leider steht seine Haltung zu Kohlekraftwerken dazu in krassem Widerspruch." Die Grünen allerdings, die bekanntlich das Urheberrecht für Umweltpolitik beanspruchen, werfen Gabriel vor, er mache zu viele Kompromisse und greife auch jetzt in der Krise um Krümmel gegen den unzuverlässigen AKW-Betreiber Vattenfall nicht wirklich durch.