Die Ankündigung war kurz und schmerzvoll. Die Krise habe nun auch das eigene Haus erwischt, teilte der Chef der Münchner Werbeagentur seinen Angestellten mit. Von zehn der 22 Mitarbeiter müsse man sich trennen. "Im Anschluss führen wir mit allen betroffenen Kollegen ein Gespräch."

Damit stand er auf "und ließ eine vollkommen geschockte Truppe zurück", beschreibt einer der Betroffenen seinen eigenen schwarzen Freitag. Er habe zunächst noch gedacht, dass es zumindest eine gute Abfindung geben würde. Das hatte zwar niemand gesagt, aber schließlich, fand der Mitarbeiter, sei das doch üblich, und "irgendwie" habe die Ansage des Chefs auch so geklungen.

Die Frage nach einer Abfindung steht schnell im Raum, wenn es um Entlassungen geht. Schließlich liest man immer wieder, dass sich vor allem Top-Manager den plötzlichen Jobverlust mit exorbitanten Summen versüßen lassen. Ferdinand Brüggehagen, Fachanwalt für Arbeitsrecht in Hannover, sagt jedoch: "Mit der Realität hat das nichts zu tun." Vorstände oder Geschäftsführer haben Verträge mit festen Laufzeiten. Für Otto Normalarbeiter dagegen gelten die gesetzlichen Kündigungsfristen und das Kündigungsschutzgesetz. "Viele Betroffene schätzen ihre Situation vollkommen falsch ein und glauben sogar, sie hätten einen Anspruch auf den sogenannten goldenen Handschlag. "Doch das stimmt nicht", sagt Brüggehagen.

Ein Recht auf Abfindung gibt es nur in zwei Fällen: wenn es einen Betriebsrat gibt und dieser einen Sozialplan abgeschlossen hat oder wenn ein Arbeitsgericht das Arbeitsverhältnis gemäß Paragraf 9 des Kündigungsschutzgesetzes auflöst. In allen anderen Fällen, betont Brüggehagen, ist die Abfindung eine freiwillige Sache.

Tatsächlich, so zeigen Untersuchungen, werden gerade einmal bei zehn bis 15 Prozent aller Kündigungen Abfindungen gezahlt. Nur wenn es zum Prozess kommt, steigt die Prozentzahl auf 50. Doch selbst dann ist die Höhe der Ausgleichszahlung zumeist deutlich geringer als die Betroffenen erwarten. Im Jahr 2006, ergab eine Erhebung des DIW Berlin, ging über die Hälfte aller Abgefundenen mit weniger als 10.000 Euro nach Hause.

Der Grund für die geringe Summe liegt nicht alleine in der Gesetzgebung, sondern oft auch in der Blauäugigkeit der Gekündigten – oder deren Schockzustand. Viele lassen sich zu schnell auf den ersten Vorschlag des Arbeitgebers ein und argumentieren gar nicht erst. Dabei könnte sich das durchaus lohnen.

Auch wenn es keine gesetzliche Grundlage gibt, lassen sich am Ende doch viele Arbeitgeber auf Zahlungen ein. Schließlich kommt es immer wieder vor, dass Kündigungen formale Fehler enthalten oder letztlich doch nicht berechtigt sind. "Erhebt ein Betroffener Kündigungsschutzklage und zieht vor Gericht", sagt Brüggemann, "bleibt ein nicht unerhebliches Restrisiko." Außerdem entsteht auch schnell ungute Stimmung in der verbleibenden Belegschaft. Der Arbeitgeber zahlt, um das zu vermeiden.